Rituale im Sachunterricht

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Seminar mit Erprobung verschiedener Rituale 

 Seminarfotos unter:

http://astrid-kaiser.de/gallery/view_album.php?set_albumName=seminar

Zeit: Montag 10-12

In dieser Veranstaltung wird der Trend zu Ritualen in Didaktik und Schulpädagogik zunächst auf seinem gesellschaftlichen Hintergrund analysiert. Dabei steht die Frage im Zentrum, wieso in einer so formalisierten Gesellschaft, ein Bedarf nach Ritualen im schulischen Alltag entsteht.

Zur genaueren didaktischen Verortung des Stellenwertes von Ritualen werden Argumente und Gegenargumente zu ihrem didaktischen Sinn entfaltet.

Im Anschluss an diesen Einführungsteil werden verschiedene Ritualtypen zur Strukturierung des Schullebens, der Schulwoche, des Schultages, der Arbeit in Gruppen, der Freien Arbeit, der Arbeit an Projekten und zur psychomotorischen Entwicklungsförderung gemeinsam erprobt, diskutiert.

Zum Abschluss des Seminars sollen neue Rituale entwickelt werden.

Literatur: Kaiser, Astrid: 1000 Rituale fĂĽr die GrundSchule. Baltmannsweiler 2001 (2. Aufl)

 

Geplanter Ablauf des Seminars:

ein Anfangsritual, ein Ritual zur Körperübung und ein thematisch adäquates Ritual pro Sitzung

 

Definitionen

Ganz allgemein betrachtet sind Rituale besondere sozial gestaltete situative und aktionale Ausdrucksformen von Kultur. Sie sind geschlossene Erlebnisse, die durch wiederholende Handlungen, einen erkennbaren szenischen Aufwand und eine Aufmerksamkeit für Details im Ablaufgeschehen wie auch der räumlichen Kontextgestaltung eines Rituals zum Ausdruck kommen.

Das Ritual stiftet einen gemeinsamen Bezugspunkt, der die Teilnehmenden als Einheit zusammenfasst, die aus der Sicht der jeweiligen Ritualisten unverzichtbar sind. Sie haben eine interaktive Dimension und einen symbolischen Charakter.

Ein Ritual ist eine (aufmerksam vollzogene) Sequenz von verbalen und/oder nonverbalen Äußerungen und Handlungen symbolischen Gehalts, was heißt, dass die vielschichtige Bedeutung eines Rituals nicht einfach und erschöpfend auf andere Weise wiedergegeben werden kann. Es wird in Entwurf und Ausführung bestimmt durch eine Leitidee. Es umfasst, sowohl festgelegte und unveränderlich als auch variable, jeweils konkret auszugestaltende Elemente.

Es gliedert sich in Phasen der Vorbereitung, des eigentlichen Vollzugs und der RĂĽckfĂĽhrung.

Rituale setzen für alle Beteiligten sichtbare Zeichen und helfen ihnen mit gefühlswirksamen, agierten Bildern, ihre affektiv- kognitiven Bezugssysteme der veränderten Realität anzupassen.
 

Ritualdefinitionen:


Knaurs etymologischen Lexikon: "Ritual": Gesamtheit der Riten eines Kultes; aus lat. ritualis, zum rel. Brauch gehörig, zu ritus, rel. Brauch.
"Allgemeine deutsche Real – Enzyklopädie der gebildeten Stände" (1867): "Rituale" (lat.) heißt im allgemeinen die vorgeschriebene Regel, wie es mit gewissen Gebräuchen und Zeremonien gehalten werden soll. Im engeren Sinne versteht man darunter die Anordnung kirchlicher Gebräuche etc.
"Meyers kleines Conversations – Lexikon" von 1893: "Ritual", (lat.) festgesetzte Ordnung der Gebräuche bei festlichen Gelegenheiten; Buch, in welchem die beim Ritus vorkommenden Gebräuche verzeichnet sind.
Fremdwörterbuch des Duden von 1982 : "Ritual", a) Ordnung für gottesdienstliches Brauchtum,
b) religiöser Festbrauch in Worten, Gesten und Handlungen.
"Ritus": das Vorgehen nach festgelegter Ordnung; Zeremoniell
"Ritualisierung": Verselbständigung einer Verhaltensform zum Ritual.
Mögliche sozialwissenschaftliche Definition von  Ritual als einen "sozial geregelten, immer gleichen Handlungsablauf, bei dem Situationen symbolisch verarbeitet werden."
 Brockhaus  von 1998:
"Ritual":
1. allg., gleich bleibendes, regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung, Zeremoniell.
2. Psychologie, stereotypes, starres Verhalten, eine feste Abfolge von Handlungsschritten, die meist an bestimmte Anlässe (z. B. Ritual des Kindes vor dem Schlafengehen) gebunden ist, aber auch als ein vom Situationsbezug losgelöster Mechanismus auftreten kann.

Seminarplan

Mo  8-10 Rituale im Sachunterricht

Wintersemester 2003/04

13.10.

Planung des Semesters, Literatur, Verteilung der Vorbereitungsaufgaben, Vorerfahrungen mit Ritualen

gemeinsame Diskussion


weitere Schritte:
Anfangsrituale
Endrituale
Ruherituale
Rituale anderer Kulturen
(Indianer Nordamerikas, Minangkabau)
Ritualisierter Tagesablauf in der Laborschule
Weihnachtsrituale in der Welt

Rituale in Gruppenarbeit
Rituale im Schulleben
Rituale Kinder lernen von Kindern
2.2.04 Grenzen und Möglichkeiten von Ritualen

 

Ruherituale

nach Urte Decker

Voraussetzungen fĂĽr Ruherituale
bequeme Haltung / entspannende Atmosphäre
Vertrauen
Klassenraum entsprechend gestalten
Pädagogisches Verhältnis zur Klasse
Zeitfaktor/Wie passt es in den Unterricht?
„Freiraum“/Kinder nicht „zwingen“ mitzumachen
Rituale vorher ausprobieren
Eigene Situation berĂĽcksichtigen
Genug Zeit einplanen, keine „Hetze“
Nicht sofortigen Erfolg erwarten
Wirkung von Ruheritualen richtig einschätzen/geht nur um Ruhe
Zu welchem Zweck?
Festzulegende Regeln = während des Rituals nicht reden, kichern

Vorstellen von Ritualen bei Klassenunruhe

„Elefantenohr“
Klangschale
Stofftier
Zeigefinger vor den Mund
Hand hoch
Lied singen
Wer leise ist, darf mit Puppe „spielen“
Feder fallen lassen („Könnt ihr etwas hören?“)
Zettel durchgeben, ohne dass man etwas hört
SchlĂĽssel mit Wasser durch die Reihe geben, ohne das Wasser verschĂĽttet wird
„12-Uhr-Gespenst“
Extra Raum

Möglichkeiten von Ruheritualen

Entspannung/Ruhe
Besinnung als Einstieg in ein Thema
Als Ăśberleitung von einem Thema zu einem anderen
Je nach Ritual Konzentration, Motorik o.a. fördernd
Orientierungshilfe im schnelllebigen Alltag
Gemeinsamer Bezugspunkt der ganzen Klasse
Zeitpunkt kann variiert werden/Je nach Situation und Anlass

Grenzen von Ruheritualen
 â€žStörenfriede“ zerstören manche Rituale absichtlich, also Möglichkeit = direkt mit einbinden
Man wird selten alle ansprechen können
Ritual muss der Situation und der Klasse angepasst werden


FĂĽr welche Zielgruppe bieten sich Fantasiereisen an?

(unruhige) SchĂĽler
Studenten
alle Mädchen und Jungen einer Klasse
Sportvereine
FĂĽr Erwachsene (autogenes Training)
Für jeden der Lust hat und sich darauf einlässt

Wann bieten sich Fantasiereisen an?


Einstimmung auf ein neues Thema
Zum Tages(ein)ausklang
Nach dem Sportunterricht
Nach/Vor einer Klassenarbeit
Man kann Fantasiereisen der jeweiligen Situation anpassen, also kann sie immer passen


Wie habt ihr euch während der Fantasiereise gefühlt?

es ging zu schnell, keine Zeit fĂĽr Erinnerungen
war sehr entspannt und nachdenklich
Hätte nicht gedacht, dass ich mich so gut entspannen kann
Wusste nicht, dass ich mich darauf einlassen kann

Psychophysiologie der Entspannung und Wirksamkeit bei Kindern
Wird eine systematische Entspannungsmethode in regelmäßig wiederkehrenden Abständen (am besten täglich) praktiziert, so stellen sich mit den Übungen im Laufe der Zeit typische psychophysiologische Effekte der Entspannung ein. Diese zeigen an, ob die Entspannung wirksam geworden ist. Prinzipiell lassen sich die physiologische und die psychische Ebene bei den Wirkungen von Entspannungsverfahren unterscheiden.

Physiologische Wirkung von Entspannung

Regelmäßige Entspannungsübungen führen zu körperlichen Veränderungen, die in 5 Bereichen nachweisbar sind.

Neuromuskuläre Veränderungen
Sie betreffen den Entspannungszustand der Skelettmuskulatur. Bei gelungener Entspannung wird der Spannungszustand der Muskeln reduziert und die Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur erschlaffen.. Dies erfolgt einmal durch eine geeignete Körperstellung (liegen oder Droschkenkutschersitz) und zum anderen durch gezielte Entspannungsinstruktionen. Reize, die von einzelnen Körperteilen zum Zentralnervensystem aufsteigen und im Gehirn verarbeitet werden (afferent), bleiben aus und daher reduzieren sich auch die Reize, die vom Gehirn an die einzelnen Körperteile gerichtete sind (efferent). Die gesamte Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur erschlafft. Dies wird in der subjektiven Wahrnehmung als Schwere erlebt und manche Personen nehmen ihre arme und Beine aufgrund der ausbleibenden Reize nicht mehr wahr.

Kardiovaskuläre Veränderungen
Hierbei handelt es sich um Veränderungen, die sich im Herz-Kreislauf-System manifestieren. Drei Effekte sind bekannt und systematisch untersucht worden:

Gefäßerweiterungen
Sie ist wahrscheinlich auf Lernprozesse, also auf klassisch konditionierte Reaktionen, zurückzuführen, d.h. durch bestimmte Reize, wie eine spezifische Körperhaltung oder eine bestimmte Entspannungsinstruktion, wird eine Erweiterung der Blutgefäße, vor allen Dingen in den Armen ,


Händen, Beinen und Füßen ausgelöst. Dadurch wird der Blutfluss verstärkt, der als Zunahme von Wärme empfunden wird (Wärme-Sensation). Die Wärme-Sensation ist allerdings kein stabiler Faktor.

Abnahme der Herzrate
Durch Entspannungsübungen kann sich der Pulsschlag verlangsamen, d.h. dass sich die Anzahl der Herzschläge pro Minute erniedrigt. Um dies festzustellen zu können, wird das individuelle Ausgangsniveau der Herzrate pro Minute ermittelt. Durch eine Entspannungsübung kann sich die Herzrate um 5 bis 8 Herzschläge verringern.

Blutdrucksenkung
Durch Entspannung kann auch bei regelmäßiger Übung der arterielle Blutdruck gesenkt werden.
Dabei führt die Gefäßerweiterung, die zum abnehmenden Gefäßwiderstand führt, als auch das verminderte Herzminutenvolumen zur arteriellen Blutdrucksenkung.

Respiratorische Veränderungen

Entspannungsübungen führen weiterhin dazu, dass die Atmung flacher und gleichmäßiger wird. Das kommt dadurch zustande, dass das Atemzugvolumen geringer wird und die Atemfrequenz, also die Häufigkeit der Atemzüge, abnimmt. Schließlich ist beobachtbar, dass die Bauchatmung zu- und die Zwerchfellatmung abnimmt. Schließlich ist feststellbar, dass sich der Atemzyklus selbst verändert; das bedeutet, dass relativ lange Pausen zwischen Ein- und Ausatmung auftreten.

Elektrodermale Veränderungen

Diese Veränderungen beziehen sich auf spezifische Hautreaktionen, die durch Entspannung hervorgerufen werden. Bei erfolgreicher Entspannung nimmt die Hautleitfähigkeit ab und der Hautwiderstand kontinuierlich zu. Dieser physiologische Prozess ist neurologisch über das sympathische Nervensystem gesteuert. Wird das sympathische Nervensystem, das für Aktivierungsprozesse zuständig ist, gedämpft, dann nimmt die Aktivität der Schweißdrüsen ab. Weniger Schweiß auf der Haut bedeutet, dass die Leitfähigkeit der Haut zurückgeht. Durch spezifische Meßinstrumente können solche elektrischen Veränderungen der Haut nachgewiesen werden. Am deutlichsten waren die Untersuchungen die Effekte, die durch das autogene Training ausgelöst wurden.

Zentralnervöse Veränderungen

Diese beziehen sich auf hirnelektrische Aktivitäten, die den zuverlässigsten Indikator für eine gelungene Entspannung darstellt. Hirnelektrische Aktivitäten geben über den Wachheitsgrad einer Person Auskunft und werden mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Von den unterschiedlichsten Erscheinungsbildern hirnelektrischer Aktivität eignet sich die sogenannte Spontanaktivität, die an der Schädeloberfläche stattfindet, für den Nachweis von Entspannungswirkungen am besten. Die ununterbrochenen elektrischen Potentialschwankungen bestehen aus typischen Mustern, die das Ausmaß an der Hirnrinde anzeigen. Die 4 wichtigsten Typen von Potentialschwankungen (Wellenformen) des Spontan-EEG bestehen in den Alpha- (Entspannter Zustand), Beta- (wacher Zustand), Theta- (schläfriger Zustand) und Delta-Wellen (Tiefschlaf).


Psychische Wirkungen von Entspannungsverfahren

Die psychischen Effekte von Entspannung zeigen sich in emotionaler und kognitiver Hinsicht sowie im Verhaltensänderungen.

Emotionale Reaktion

Freude, Wut oder Angst treten vermindert auf oder lassen sich kaum noch hervorrufen. Unangenehme Gefühle, wie beispielsweise Ängste, können sogar durch diese positive emotionale Wirkung von Entspannung abgebaut werden. Positive Gefühle und angenehme Empfindungen hingegen werden durch erfolgreiche Entspannungsprozesse erhöht.

Die kognitive Veränderung besteht darin, dass sich die entspannte Person geistig frisch und ausgeruht fühlt. Der entspannte Wachzustand (Alpha-Wellen) erhöht die selektive Aufmerksamkeit und das hat zur Folge, dass nur spezifische Informationen während des Entspannungsprozesses

wahrgenommen werden und sich zugleich die Wahrnehmungsschwelle erhöht (Lärm, Licht oder Berührung werden kaum mehr wahrgenommen). Dies bedeutet in der Folge, dass z.B. neuromuskuläre Reaktionen nur schwer ausgelöst werden können. So begünstigen diese kognitiven Veränderungen, durch Entspannungsprozesse hervorgerufen, die Konzentrationsfähigkeit sowie die Informationsverarbeitungs- und Gedächtnisprozesse.

Eine natürliche Folge aufgrund der veränderten emotionalen und kognitiven Reaktion ist, dass sich auch Verhaltensänderungen ergeben können. Da negative Emotionen kaum mehr provoziert, hingegen angenehme Empfindungen aufgebaut werden, trägt dies dazu bei, dass eine Person psychisch wie physisch Erregung abbaut und in der Folge davon ausgeglicheneres Verhalten zeigt. Durch die oben beschriebenen veränderten Wahrnehmungsschwellen wird das Aktivitätsniveau einer Person verringert, da Reaktionen nicht mehr auslösbar sind. Somit besteht die Möglichkeit, motorische Unruhe und Hyperaktivität zu reduzieren und Ruhe zu erzeugen. Diese, durch Entspannungsverfahren ausgelöste Ruhe bleibt auch nach Abschluß einer Entspannungsübung für eine ganze Weile bestehen.

 

Rituale f�r �sthetische Zugangsweisen im Sachunterricht

–    Thema "Indianer" –

Ablaufplan (Vorschlag)
1. Hören    MusikstĂĽck: Little Wolf Band,
anschlieĂźend Besprechung im Plenum    ca. 15 min.
2. Hören und Sehen    Video-Ausschnitt: Interview mit Winona La Duke, Powwow,
anschlieĂźend Besprechung im Plenum    15-20 min
3. Praktische Ăśbung    1. Indianische Musikinstrumente selbst bauen.
Material fĂĽr Indianische Rasseln
–    Biegsame Zweige (vorgefertigte Rohlinge)
–    Kronkorken, z.Teil vorgebohrt
–    Bindfaden, Schere
2. Verschiedene Modelle von selbstgebauten Rasseln zur Ansicht mit Bauanleitung
3. Bildband ĂĽber Powwows zur Ansicht

anschlieĂźend Diskussion im Plenum    ca. 15 min
4. Hören und Sehen    Video Ausschnitte: Interview mit Alex White Plume,
Indianischer Song (siehe unten)    ca 15 min
5. Praktische Ăśbung    Versuch eines Powwow mit Tanz und Instrumenteneinsatz und Gesang    ca. 10 min
6. Abschlussdiskussion        ca. 15 min

Indianisches Lied (Text: Floyd Red Crow Westerman):

BIA
You can´t change me –
don´t you try
We don´t want your white man
rules no more
We can live our own way
Weya ha la lo, weya ha la lo

Rituale in Gruppenarbeit und Freier Arbeit


Freie Arbeit und Gruppenarbeit sind Formen des Lernens, in denen Kinder zu mehr Eigenaktivität aufgefordert werden. Allerdings gibt es viele Kinder, die in diesen offeneren Formen orientierungslos sind.
Ein Kompromiss ist die Strukturierung der Freien Arbeit durch Rituale. Bekannt ist aus der Lehr-Lernforschung, dass innere Strukturen im Lernprozess lernförderliche Wirkung haben.

 

Rituale und Schulleben


Kalendarische Dimensionen 



Zeitliche Variationen:



Dimensionen


Subkulturelle Gestaltung von Ritualen u.a. durch folgende Dimensionen:



Institutionelle Weite
In engen personalen Gruppen, Familie, peer group    In größeren Sozialverbänden    In anonymen gesellschaftlichen Subsystemen (Rituale bestimmter Berufsgruppen oder in Gerichten, Schulen, Behörden oder Krankenhäusern)
In kulturellen Verbänden    In politischen Organisationen    Global

Rituale lassen sich formalisiert nach drei Dimensionen unterscheiden.
Sie können ....

 

Stellenwert von Ritualen in der  Schule

 

Kinder lernen von Kindern


Im Alltagswissen ist an Grundschulen bekannt,

    dass Kinder Gleichaltrigen gut etwas erklären können
    dass die Sprache der Gleichaltrigen oft besser verständlich ist als ein von Erwachsenen vorbereiteter Lehrbuchtext
    dass Kinder von ihresgleichen eher eine Mahnung, sich an Regeln zu halten, annehmen können als von Erwachsenen
    dass fĂĽr Kinder die Gruppe der Gleichaltrigen auĂźerordentlich wichtig in der Schule ist und dass sie schon allein daraus Motivation ziehen können


Grundformen von „Kinder lernen von Kindern“


•    Patenschaften älterer Kinder: organisierte Hilfe
•    Strukturell in altersgemischten Klassen
•    Situativ in Gesprächskreisen
•    Organisiert in heterogenen Gruppen

Funktionen von „Kinder lernen von Kindern“


-Das Wissen und Können von Kindern ernst genommen
-Vorwissen der Kinder wird so quasi zum eigentlichen Lehrplan
-Lernen durch Lehren
-Rollenwechsel der Lehrkräfte vom klassischen Pauker hin zur Beratung von Lernprozessen
-Förderung der Gruppenarbeit
-Kinder legen anthropologisch besonderen Wert auf andere Kinder
-Mitlernen durch Imitation
-Vielfältige Inhaltsaspekte durch verschiedene Kinder, Unterricht wird anregender
-Implizite Sozialkompetenzförderung

 

Voraussetzungen

•    Offene Organisationsformen, Anlässe fĂĽr Kommunikation
•    Basale Kommunikationskompetenzen

Gefahr: Trivialisierung des Sachunterrichts - nur an gemachte Erfahrungen anknĂĽpfend

 

 

  Möglichkeiten und Grenzen von Ritualen

Argumente   -  Gegenargumente

Strukturierungs- und Orientierungshilfe   -  Rituale fixieren Lernende auf die Lehrkräfte
Soziales Miteinander wird geregelt  -   Esoterisch abgehoben und anti-aufklärerisch
Rituale machen das Unterrichtsgeschehen durchschaubar   - Rituale disziplinieren
Rituale erleichtern den Ablauf von  Unterricht  -   Rituale vernebeln
Rituale entsprechen den OrdnungsbedĂĽrfnissen der Kinder   - Rituale stereotypisieren
Rituale fördern den Weg zu Selbstständigkeit    - Rituale unterwerfen
Menschen brauchen Verlässlichkeit  -  Rituale sind ĂĽberholt
Rituale ĂĽberwinden die heutige Zeithetze -   Zeitverschwendung
Rituale befriedigen ästhetische MenschenwĂĽnsche  

 

situative Kriterien zur ĂśberprĂĽfung des konkreten Sinns von Ritualen (nach Susteck):