Handlungsorientierter Sachunterricht

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Veranstaltungsleitung des Seminars:
Astrid Kaiser und Ines Oldenburg
Mo 16 - 18, A01 0-008

Aktuelle News:

 

Bitte unbedingt ab nächste Woche alle verfügbaren Sachunterrichtstests mitbringen!

Einige Tests sind schon sehr ertragreich, wir brauchen noch viel mehr.



Bitte bei der Fernsehübertragung der Kinderuniversität am 28.4. um 18 Uhr im offenen Kanal  notieren, welche verschiedenen Kategorien von Handlungsorientierung in den vorgeführten 6 Experimenten zum Tragen gekommen sind.

Fotos vom Seminarraum in Birmingham für Science (Keystage  1 and 2) und der naturwissenschaftlich-technischen Station Enginuity

Fotos von unserer Materialproduktionsstunde auf der Seminarseite im Webalbum

Exkursion:
freiwillige Exkursion zum Tillyberg, Bilder auf der Seminarseite
gemeinsame Exkursion zum Gefallenendenkmal an der Ofener Straße am 14.6.

Kommentar

In dieser Veranstaltung sollen verschiedene Konzepte zum handlungsorientierten Sachunterricht vorgestellt werden wie Arbeitsunterricht nach Kerschensteiner oder Gaudig, Projektunterricht nach Dewey, Vorhabenuntericht nach Reichwein, Handlung fundamental einschließende reformpädagogische Konzepte (Freinet, Montessori), Tätigkeitstheoretisch fundierter Sachunterricht (Leontjew) und der Phänomenansatz Wagenscheins.
Das Seminar wird fokussiert auf eine sinnvolle Sachunterrichtsthematik, an der verschiedene Varianten handlungsorientierten Unterrichts exemplifiziert werden können.
In jeder Sitzung sollen zu dieser Thematik die theoretischen Konzepte beispielhaft umgesetzt werden. 
Abschließend sollen die Unterrichtsideen in einer Werkstattphase zu Handlungsmaterial für die Lernwerkstatt entwickelt werden. Dazu werden in der Lernwerkstatt Materialien erstellt.

Grundlegende Literatur: Kaiser, Astrid/Pech, Detlef: Basiswissen Sachunterricht. Band 1. Baltmannsweiler 2004 (noch nicht erschienen)
statt dessen: Kaiser, Astrid (Hrsg.): Lexikon Sachunterricht. Baltmannsweiler 2004 (3)

Verlaufsplanung

19.04.    Semesterplanung;
Orientierung auf ein gemeinsames Praxisthema    Diskussion im Plenum
26.04.    Varianten von Handelndem Lernen    Diskussion im Plenum: Selbstexperiment
03.05.    Unterrichtskonzeption von Handlungsorientierung am Beispiel „Boden“ und / oder „Pflanzen und Düngemittel“    Vorbereitung durch I.O.
10.05.    Handlungsorientierung nach Kerschensteiner (Herstellen von „Werkstücken“)    themenabhängig
17.05.    Handlungsorientierung in der genetisch-exemplarisch-sokratischen Didaktik Wagenscheins     Gruppenvorbereitung
24.05.    Handlungsorientierung im Konzept des Projektunterrichts von John Dewey     Gruppenvorbereitung von Petra Kowak und Ina Jurisch
31.05.     (Pfingstmontag)   
07.06.    Handlungsorientierung in der Reformpädagogik bei Freinet    Gruppenvorbereitung durch Tina Hoppe und Jeelka Richter)
14.06.    Handlungsorientierung nach Reichwein („gemeinsame Vorhaben“)    Exkursion zum Ehrenmal, Treffpunkt    am 14.6. um 16.00 unter der Brücke Uhlhornsweg
21.06.    Handlungsorientierung in der Entwicklungspsychologie bei Aebli und Piaget    Gruppenvorbereitung (Anja Steinbach, Iris Bruns, Anja Sennhenn)
28.06.    Handlungsorientierung nach Gaudig („arbeitsteilige freie geistige Arbeit“)     Gruppenvorbereitung (Melina Brottka
Stefan Janssen)
05.07.    Handlungsorientierung in der Lernpsychologie bei Leontjew, Galperin, Wygotsky (kulturhistorische Schule)   Kerstin Prott und Mareen Britzke machen die Gruppenvorbereitung
12.07.    Rückblick auf das Konzept Adolph Reichweins; Bewerten und Benoten im (handlungsorientierten) Sachunterricht    Gruppenvorbereitung

gemeinsames Oberthema:
Krieg und Frieden


Seminarrhythmus:
1) Anwendung des Konzeptes auf ein Praxisbeispiel in Selbsterfahrung des Seminars
2) theoretische Einführung in das Konzept der Woche
3) Transfer des Konzeptes auf unser Thema Krieg und Frieden

Vertiefende Literatur - eine Auswahl

Aepkers, Michael/Liebig, Sabine: Entdeckendes, Forschendes, Genetisches Lernen. Basiswissen Pädagogik Band 4. Baltmannsweiler 2002
Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen. Bad Heilbrunn 1997 (5)
HÄNSEL, DAGMAR (Hg.): Projektbuch Grundschule. Weinheim - Basel 1986
Hempel, Marlies (Hg.): Lernwege der Kinder. Baltmannsweiler 2002 (2)
Wolfgang Jantzen (Hrsg.): Die Schule Gal'perins.Taetigkeitstheoretische Beitraege zum Begriffserwerb im Vor-und Grundschulalter.Berlin, 2004. Lehmanns Media
Kaiser, Astrid (Hg.): Praxisbuch handelnder Sachunterricht Band 3. Baltmannsweiler 2000
Kaiser, Astrid: Praxisbuch handelnder Sachunterricht Bd. 1. Baltmannsweiler 2000 (7. Aufl.).Baltmannsweiler 1996 (1.Aufl.)
Kaiser, Astrid: Praxisbuch handelnder Sachunterricht Bd. 2. Baltmannsweiler 1999 (2. Aufl.).
Kaiser, Astrid/Nacken, Karola/Pech, Detlef: Soziale Integration in einer jungen- und mädchengerechten Grundschule. Abschlussbericht zum niedersächsischen Schulversuch.  Lit Verlag: Münster 2002
Kaiser, Astrid und Mitarbeiterinnen: Projekt geschlechtergerechte Grundschule  - Berichte aus der Praxis.  Opladen: Leske+Budrich 2003
Lenzen,  Dieter/Emer, Wolfgang: Projektunterricht gestalten - Schule verändern.  Basiswissen Pädagogik Band 6. Baltmannsweiler 2002
Nuding, Anton: Von der Hand in den Verstand. Baltmannsweiler 2000
Walter Köhnlein / Roland Lauterbach (Hg.): Verstehen und begründetes Handeln: Bad Heilbrunn 2004
Irmtraud Schnell / Alfred Sander (Hg.): Inklusive Pädagogik. Bad Heilbrunn 2004
Michalik, Kerstin (Hg.): Geschichtsbezogenes Lernen im Sachunterricht. Bad Heilbrunn 2004
Kaiser, Astrid/ Mannel, Susanne: Chemie in der Grundschule. Baltmannsweiler 2004

Spezielle Literatur für Gruppen:
Freinet
Hansen-Schaberg, Inge/ Schoning, Bruno  (Hg): Basiswissen Pädagogik, Reformpädagogische Schulkonzepte, Bd.5, Freinet-Pädagogik. Baltmannsweiler 2000

Leontjew-Wygotsky
Jantzen, Wolfgang (Hrsg.): Die Schule Gal'perins
Taetigkeitstheoretische Beitraege zum Begriffserwerb im Vor-und
Grundschulalter. Berlin: Lehmanns Media 2004

Seminarverlauf - begrifflich

1. Sitzung: Kategorien der Handlungsorientierung aus den eigenen Schulerfahrungen
ergänzt durch unsere Handlungsideen


Unterrichtsgang (draußen Pflanzen beobachten)
Beobachtung (Bohnenwachstum, Froschentwicklung)

Rollenspiel (Schule früher)
Produzieren (Papier, Papyros, selbst gedrucktes Buch, Obstsalat, Kuchenbasar)

Modellieren (Gletscher im Sandkasten)
Projekt (selbst gedrucktes Buch)
Verantwortung (Aquarium pflegen)


weitere aus eigenen Unterrichtsideen gewonnene Kategorien - nicht aus der eigenen Unterrichtserfahrung:
Experimentieren
Forschen
Recherchieren

Handlungsorientierung nach Kerschensteiner

Georg Kerschensteiner (1854 – 1932), Erfahrungen als Volksschul- und Gymnasiallehrer

Arbeitsschule: Selbsttätigkeit – Sittlichkeit – Sachlichkeit, also eigenständiger Arbeit und Selbstkontrolle
manuelles, handwerkliches Tätigsein
Schulküchenunterricht für Mädchen und einen Werkstättenunterricht in Schreinereien und Schlossereien für Knaben
Werkstattcharakter: Physik und Chemie in eigenen Schullabors

Werkstätten und Arbeitsräume in den neuen Schulen werden nicht deshalb gebraucht, „damit die Kinder gut hobeln, sägen, feilen, bohren, nähen, weben, kochen lernen, nicht damit sie die Arbeit ihrer Hände lieb behalten, nein, wir brauchen sie vor allem, um Menschen zu erziehen, die den Zweck und  Segen das Staatsverbandes an der Wurzel erfassen lernen und ihm in Dankbarkeit ihre Dienste widmen“ (Kerschensteiner 1912, S.111).
Unterrichtsbeispiel des Starenkastens .„Ein Lehrling soll aus eine Brett von gegebener Länge und Breite mit geringstem Holzabfall ein möglichst geräumiges Starenhaus herstellen, dessen Dachplatte zur Bodenplatte im Verhältnis 1 : 2 geneigt ist und etwa 8 Zentimeter über die Vorderseite des Hauses hinausragt. Die Arbeit soll selbstverständlich unter geringstem Aufwand an Zeit und Arbeit durchgeführt werden.“ (Kerschensteiner 1912 b, S.49).
 pädagogische Arbeit immer auch verbunden mit geistiger Planung und Reflexion:
"Eine manuelle Betätigung mag mit noch so viel Interesse, Eifer, Anstrengung, Übung verbunden sein, Arbeit im pädagogischen Sinn kann sie erst werden, wenn sie Ausfluß einer geistigen Vorarbeit ist, die schon in dieser Vorarbeit zu einem bündigen Abschluß kommt" (1925, 43).
Grundgedanken der Eigentätigkeit, der lebenspraktischen Relevanz, der Charakterbildung und der Selbstständigkeit


Georg Kerschensteiner (1854-1932) (zunächst Schulgehilfe, Gymnasiallehrer und Stadtschulrat in Mänchen) wirkte als Prof. in München und Leipzig. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Reformpädagogik. und als Begründer der “Arbeitsschule” und “Arbeitsschulbewegung”. Sein pädagogischer Ansatz betont das unterrichtliche Prinzip der Selbsttätigkeit, der Spontanität und des manuellen Tuns. Arbeit als pädagogischen Begriff stellt für ihn ein Korrektiv der geisteswissenschaftlichen Pädagogik (Dilthey; Spranger) dar. Er richtete (neben der Einführung von Physik- und Chemieunterricht) Holz- und Metallwerkstätten, Schulküchen und Schulgärten ein. Pädagogische Arbeit müsse manuell und geistig, praktisch und geistig zugleich geprägt sein. Als Befürworter der Eigenbewertung schulischer Leistungen regt er an, dass jeder Schüler für sich selbst ein Urteil finden und “sich durch das Werk selbst prüfen” müsse.

Grundlegender Arbeitsbegriff
Kerschensteiner und Gaudig stritten zur Zeit der Gründung der Grundschule 1919/20 um den “eigentlichen” didaktischen Arbeitsbegriff. Kerschensteiner hatte dabei vor allem handwerkliches Tun als kindgemäßes Modell von Berufsarbeit im Sinn.

Politikbegriff
So intendierte G. Kerschensteiner (1925) eine Anpassung der Heranwachsenden an den gegenwärtigen Staat, während P. Östreich, um einen politischen Gegenpol zu nennen, mit seiner Pädagogik zum Aufbau einer neuen Gesellschaft beitragen wollte (P. Östreich (1975).


Verschiedene Dimensionen des Arbeitsbegriffes:
Kerschensteiner unterschied Arbeit im körperlichen Sinne, Arbeit im geistigen Sinne, deren "Zweck in der Gestaltung von Bewußtseinsinhalten (liegt)" und Arbeit im pädagogischen Sinne "die ihren Zweck in der Herbeiführung und Durchführung einer immer vollendeteren sachlichen, d.h. objektiven seelischen Einstellung hat, sei es in der Gestaltung der Bewußtseinsinhalte an sich, sei es in der Verwirklichung des gestalteten Bewußtseins in der Außenwelt" (G. Kerschensteiner, 1925 (6), 76).


Pädagogischer Begriff
Besonders Kerschensteiner ist es gelungen, das Lernen von Arbeit durch Arbeit zu vermitteln und die wechselseitige Beziehung von Lerninhalt und -methode zu begreifen.
pädagogische Arbeit immer auch verbunden mit geistiger Planung und Reflexion, Arbeit allein wird nicht schon als bildend angesehen
"Eine manuelle Betätigung mag mit noch so viel Interesse, Eifer, Anstrengung, Übung verbunden sein, Arbeit im pädagogischen Sinn kann sie erst werden, wenn sie Ausfluß einer geistigen Vorarbeit ist, die schon in dieser Vorarbeit zu einem bündigen Abschluß kommt" (ebd., 43).
Seine Definition pädagogischer Arbeit bleibt aber deutlich auf materielle Arbeit beschränkt, wenn er den pädagogischen Wert als "um so größer (einschätzt) je mehr das Ergebnis der Arbeit es ermöglicht, daß der Arbeitende am Arbeitsprodukt selbst erkennt, wie weit er bei seiner Herstellung sachlich eingestellt war" (ebd., 73).
Arbeitsunterricht;
Schullaboratorien, Schulwerkstätten auch Schulküchen und Schulgärten

Förderung der Denkentwicklung und Erziehung
"Je inniger die Entwicklung der geistigen Fertigkeiten mit der Entwicklung der manuellen Fertigkeiten im Fachunterricht verbunden werden kann, ... desto ungezwungener und sicherer entwickeln sich auch die geistigen Fähigkeiten" (ebd., 37).
Er erwartete, dass die Kinder "gemeinsamen Erfolg und Mißerfolg (erfahren), lernen gemeinsame Schaffensfreude und gemeinsame Enttäuschungen (zu) empfinden. ... Hier tritt die Leistung des einzelnen nicht hervor aus der Gesamtleistung; hier entwickelt sich am besten das Gefühl der Verantwortlichkeit für das eigene Tun. ...Hier lernt der einzelne sich unterordnen unter andere, hier lernt er schwächere und weniger begabte Mitschüler unterstützen, hier lernt er zum ersten Male verstehen, daß die eigenen, wohlverstandenen Interessen in den Interessen der Gesamtheit aufgehen können und sollen" (ebd., 70).

Erziehungsziele durch Arbeitsunterricht:

 Hingabe und Selbstbeherrschung, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Ausdauer (ebd., 70), "berufliche Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit" (G. Kerschensteiner 1925, 17). 
Erwerb von Tugenden und Sozialerfahrungen: "eigenes kleines Gemeinwesens der Klasse" zur Organisierung der praktischen Arbeit (ebd., 103)
Ziele der Unterodnung: "den Willen bedingungslos dem Gesetz der Sache unterwerfen" (ebd., VII)
"Erziehen wir gute Staatsbürger, so erziehen wir stets auch gute Weltbürger, und je größer der soziale Körper, je mannigfaltigere Sonderinteressen zueinander ins Gleichgewicht zu bringen sind, desto mehr wird mit der  Staatsidee zugleich die Humanitätsidee notwendig gefördert" (ebd., 13). Er bezeichnete es auch explizit als Gefahr, der es zu begegnen gälte, "das gebildete Proletariat noch weiter zu vermehren" (G. Kerschensteiner 1925, 29). 
Er will zwar keine direkte Berufsbildung in der Schule betreiben (ebd., 35), aber doch eine allgemeine Vorbereitung auf den Beruf" (ebd., 26) und eine Erziehung zur (Berufs-)arbeit leisten: "Zweck der vorbereitenden Erziehung in der Gestaltung der Organe, die für die Ausbildung des Berufes notwendig sind, in der Gewöhnung an ehrliche Arbeitsmethoden, an immer größere Sorgfalt, Gründlichkeit und Umsicht, und in der Erweckung der rechten Arbeitsfreude" (ebd., 35), um "Menschen für den idealen Staat heranzubilden" (ebd., 19),

Konkrete Beispiele:
Starenkasten
Handarbeiten
Hausarbeiten. „Sie umfaßten die Ordnung und Sauberkeit im Schulzimmer und im Arbeitsraum, also Kehren, Abstauben, Putzen, Waschen, Beihilfe der Kinder zur Herstellung von Weihnachtsgebäck und Ostereiern" (ebd., 188).
"Anlegung eines Wetterkalenders. Die Mädchen stricken Pulswärmer" (ebd., 189).
"In der Holzwerkstätte Herstellung eines Nudelbrettes mit Nudelwalker. Die Mädchen stricken einen Topflappen; die Knaben zeichnen und schneiden Küchenherde aus" (ebd., 190). "Knaben wie Mädchen zeigen für die einfachen Aufgaben der Holzbearbeitung die gleiche Begeisterung; doch stellt sich immer deutlicher die bessere Begabung der Knaben hierzu heraus, sobald es sich um die Auffassung von Konstruktionselementen handelt" (ebd., 218f). für das erste Schuljahr, Münchener Versuchsklassen: "Der Arbeitsunterricht, der mit dem Anschauungsunterricht aufs engste verbunden wurde, erstreckte sich in der ersten Klasse auf Nähen, Sticken, Flechten, Holzarbeit, Gartenarbeit und sogenannte häusliche Beschäftigungen. Knaben wie Mädchen hatten den gleichen Arbeitsunterricht ... In den zweiten Klassen trat bei Knaben wie Mädchen die Holzarbeit in den Vordergrund. Daneben wurden die Knaben in einer besonderen Stunde mit Zeichnen und Ausschneiden, die Mädchen mit Flechten, Stricken, Nähen beschäftigt" (ebd., 184). "Schulküchenunterricht für Mädchen, Gartenbau und Blumenpflege und fachlicher Arbeitsunterricht in Werkstätten" (ebd., 96).

  


 

Handlungsorientierung nach Martin Wagenschein

Biografie

Pädagoge, Mathematik- und Physiklehrer
1896 - 1988
Martin Wagenschein, geb. am 3. Dezember 1896 in Gießen, gest. 3. April 1988 in Trautheim.
Martin Wagenschein, studierte Physik und Mathematik, promovierte in Physik. Kooperation in den 20er Jahren mit Paul Geheeb in der Odenwaldschule, danach Lehrer an staatlichen Gymnasien und nach 1945 Bildungsberater (1960-1965 im Ausschuss "Höhere Schule" des "Deutschen Ausschusses für das Bildungswesen"). 1956 Honorarprofessor an der Universität Tübingen
Lehraufträge in Tübingen und Darmstadt

Stichworte:

Exemplarischen Lehrens u. Lernen ,Exemplarik
Sokratisch - genetische Prinzip

Ursprüngliches Befragen und Verstehen von Phänomenen  zu exakten Formen des Denkens

Verstehen des Verstehbaren
ist ein Menschenrecht
Ausgangspunkt: Staunen des Kindes
Weiter führend: Fragen, Interesse und Wissensdurst der Kinder
Lernprinzip: ausgehend von den Phänomenen, möglichst nah am wirklichen Leben lernen

Einstiegsphänomene

Zitate Wagenscheins

"Die Schule hat nicht mit dem Stoff "fertig" zu werden, sondern sie hat die Kinder so zu lehren, dass sie mit dem Gelernten etwas "anfangen" können."
"Ein solcher systematischer Lehrgang verführt zur Vollständigkeit, (denn er will bereitstellen) damit zur Hast und also zur Ungründlichkeit. So baut er einen imposanten Schotterhaufen. Gerade, indem er sich an die Systematik klammert, begräbt er sie und verstopft den Durchblick."

Manchmal kommt es mir vor, als hielten die Eltern diejenige Schule für die beste, die ihre Kinder fähig macht, bei den Quizkonkurrenzen am besten abzuschneiden, schnell und reich an Wortwissen. Und es lohnt sich, wie jene Stenotypistin erfuhr, die in Amerika einmal 16000 Dollar gewann, weil sie binnen 30 Sekunden 7 Brüder Josephs aus dem alten Testament aufzuzählen wusste. Seltsam nur, dass das Handwerk, die Industrie und die Hochschulen gleichzeitig und zunehmend darüber klagen, dass die jungen Menschen nicht mehr selbständig denken und urteilen können.

Martin Wagenschein

Schriften

„ Kinder auf dem Wege zur Physik“,
„Die pädagogische Dimension der Physik“
„Verstehen lehren genetisch-sokratisch-exemplarisch.“

5 Schritte der Unterrichtsplanung gemäß Wagenschein nach Brülls

(demnächst veröffentlicht in: Kaiser/Pech (Hrsg.): Basiswissen Sachunterricht Band 5. Baltmannsweiler 2004)

1. Schritt: wesentliche Aspekte oder auch Hintergrundinformationen zu dem zu behandelnden Thema im Vorfeld
2. Schritt: Welche Einstiegsphänomene sind zu präsentieren?
3. Schritt: Wie gelange ich (als Lehrende) vom Einstiegsphänomen zum physikalischen Aspekt?
4. Schritt: In welchen anderen Zusammenhängen ist die am Einstiegsphänomen gewonnene Hypothese zu überprüfen?

5. Schritt: welche weiteren physikalischen Aspekte werden durch das gewählte Einstiegsphänomen repräsentiert?

Konkrete Umsetzung des Konzeptes

Sokratisches Gespräch zum Thema Krieg und Frieden anhand von eindrucksvollen Bildern



John Dewey - Biografisches und Projektkonzept


John Dewey  wurde am 20. Oktober 1859 in Burlington (Vermont, USA) geboren. Er und seine beiden Brüder wuchsen in typischen mittelständigen Verhältnissen auf. Beide Elternteile kamen aus Bauernfamilien.
Nach der Grund- und Mittelschule begann Dewey mit 16 Jahren seine Studien an der Vermonter Universität, wo er einen klassischen Bildungsgang mit Betonung auf Griechisch, Latein, englischer Literatur, Mathematik und Rhetorik durchlief. Dewey interessierte sich aber vor allem für die Philosophie.
Nach seiner Graduierung 1879 war Dewey als Mittelschullehrer in Oil City (Pennsylvania) tätig.
1881 kehrte er nach Vermont zurück, wo er wieder unterrichtete, aber auch gleichzeitig seine Studien fortsetzte.
1884 dissertierte Dewey mit einer Studie über die „Psychologie Kants“. Es folgte eine Berufung als Philosophielehrer nach Michigan, wo er durch zwei Publikationen über die Gemeinsamkeiten von Philosophie und Psychologie Aufmerksamkeit erregte.
1887 erschien sein erstes Buch „Psychologie“, dem weitere Werke und Lehrstellen an anderen Universitäten folgten.
1894 wurde Dewey nach Chicago an die gerade vier Jahre alte Universität berufen. Er und seine Kollegen arbeiteten daran, Philosophie, Psychologie und die Pädagogik zu vereinen. Dabei konzentrierten sie sich auf das Verhältnis zwischen Grund-, Sekundar- und Universitätslehrkräften.
Dewey war der Meinung, dass der Pädagogik in der Ausbildung von Lehrkräften mehr Gewicht zugemessen werden müsse. In den folgenden Jahren arbeitete er an der Erstellung eines Curriculums für eine neu geschaf-fene und ihm unterstellte Pädagogikabteilung.
1896 eröffnete Dewey eine Versuchsschule, die „University Elementary School“. Seine Tätigkeit und weitere Schriften machten Dewey schließlich zu einem der bekanntesten Vertreter der amerikanischen Erziehungsphilo-sophie.
1901 heiratete Dewey eine seiner früheren Studentinnen aus Michigan, Alice Chapman.
1904 trat Dewey nach internen Problemen von seinem Posten zurück und übernahm eine Professur an der Columbia University, wo er bis zu seiner Pensionierung 1930 als Lehrer für Philosophie und am Lehrerseminar tätig blieb.
1949 beschrieb Dewey sein Lebensziel als „die Suche nach einer einigermaßen klaren und deutlichen Idee darüber, welches die Probleme und Schwierigkeiten sind, die wir im täglichen Alltag erfahren“.
Nach immer aktiv, verstarb John Dewey am 1. Juni 1952.
 
Thema des Projektunterrichts: „Ein Haus bauen“

3. Merkmal des Projektunterrichts: Selbstorganisation und Selbstverantwortung, die Planung.
Woraus wollt ihr euer Haus bauen? Wie stellt ihr euch euer Haus vor? Flachdach? Spitzdach? Balkon oder Terrasse?

4. Merkmal: Praxisrelevanz. Schulen werden zu Werkstätten, in denen etwas produziert wird, das Haus.
Sucht euch die Materialien, die ihr für euer Traumhaus braucht, damit es später genauso aussieht, wie es in eurer Planung gedacht war. Ihr könnt auch Materia-lien mischen.

Durchführung des Projekts


Baut euer Haus nach euren Vorstellungen, verschönert es mit den Materialien, die ihr für euer Traumhaus braucht.


Das Projekt

„Es ist ... ein Teil der Aufgabe des Lehrers, zwei Dinge gleichermaßen zu beachten: erstens, dass das Problem sich aus den Bedingungen der gegenwärtigen Er-fahrung ergibt ... und zweitens, dass es sich um ein Problem handelt, das den Schülern zu aktiven Forschen und zu neuen Ideen antreibt.“ (Dewey)


Was ist ein Projekt? – 10 Merkmale

1.    Situationsbezug und Lebensweltorientierung
2.    Orientierung an den Interessen der Beteiligten
3.    Selbstorganisation und Selbstverantwortung
4.    Gesellschaftliche Praxisrelevanz
5.    Zielgerichtete Projektplanung
6.    Produktorientierung
7.    Einbeziehung vieler Sinne
8.    Soziales Lernen
9.    Interdisziplinarität
10. Grenzen

„Ideen werden selbst erst im Verlauf wirklicher Forschungen experimentell entwickelt. Sie entspringen in dem, was Menschen natürlicherweise tun, und werden im Verlauf des Tuns überprüft und verbessert.“ (Dewey)

Der Lernprozess darf nicht nur einen bloßen Selbstzweck verfolgen, sondern er ist immer ein Mittel zur Veränderung und Gestaltung von Schule und Gesellschaft.
Jeder Unterricht, in dem die Ziele von den Beteiligten selbst verwirklicht werden und in dem eine Veränderung in Schule und Gesellschaft erreicht wird, kann man als „Projektunterricht“ bezeichnen.

Umsetzung für die Thematik Krieg und Frieden


1) Aufgabe, aus verschiedenen Materialien ein schönes Modellhaus zu basteln
2) Vorstellen der Produkte
3) Aufforderung, die selbst hergestellten Häuser nach vorn zu bringen und anschließend zu zerstören, um Krieg zu simulieren
4) Gespräch über Sinn und Bedeutung von Kriegen
5) Formulierung von Fragen und offenen Problemen
6) Forschung in Gruppen zur Frage: Krieg und Zerstörung der Lebensumgebung


Handlungsorientierung nach Gaudig

 

Lebenslauf - Hugo Gaudig -



05.12.1860    Geburt in St�ckey (Harz) als Sohn eines Landpfarrers

1868-1874    besuchte er dort die Dorfschule

1874-1879    Sch�ler des Gymnasiums Nordhausen

Danach studierte er Theologie und Philologie an der Universit�t Halle.

1883            Promotion

1884            Theologische Pr�fung

1885            Probejahr am Realgymnasium der Franckeschen
Stiftungen in Halle

            Anschlie�end Erwerb der Facultas Docendi

1887            Gaudig �bernimmt Lehramt am Realgymnasium Gera

1896            Berufung zum Direktor der H�heren M�dchenschule und
des Lehrerinnenseminars der Franckeschen Stiftungen in Halle

1900             �bernimmt schlie�lich die Leitung der H�heren
M�dchenschule und des Lehrerinnenseminars in Leipzig

1907             Teilung der Schule; Gaudig hat die M�glichkeit mit
ausgew�hlten Kollegen seine Ideen zu verwirklichen

1921 und 1922    besuchten in zwei p�dagogischen Wochen jeweils etwas 500 P�dagogen die Gaudigschule, die ihnen den gesamten Unterricht �ffnete und in Vortr�gen und Aussprachen Gelegenheit zur ausf�hrlichen Diskussion gab

02.08.1923    Hugo Gaudig verstirbt












P�dagogische Ideen:


Kernbegriffe: Freie geistige T�tigkeit und Pers�nlichkeit!
Grunds�tzlich: Gaudig versuchte seine Sch�ler zur Pers�nlichkeit zu erziehen.
Er entwickelte einen Unterricht der freien geistigen T�tigkeit, bei dem die Sch�ler selbstt�gig Ziel, Mittel und Arbeitsstufen bestimmen.
1. Selbst�ndigkeit des Sch�lers
Ziel der Erziehung: Selbst�ndiges und kritisches Denken;
- daraus folgt die Aufgabe an die Schule: Sie soll das geistige Wachstum und die Bildung der Pers�nlichkeit von Sch�lern f�rdern.
- Statt Lehrerfragen: Lehrerimpulse und Sch�lerfragen
- Daher steht die Sch�lerfrage im Mittelpunkt: Der Sch�ler ist des eigentliche Motor des Unterrichts.
Sch�ler sollen Unterrichtsinhalte weitgehend selbst�ndig erschlie�en und dabei aus eigener Kraft auf eigenen Wegen zu eigenen Zielen gelangen („Freie geistige T�tigkeit“).
- Selbstt�tigkeit wird gro� geschrieben
- Lehrer nur noch Unterrichtsorganisator;
er f�hrt die Sch�ler in die Techniken und Methoden geistiger Arbeit ein;
bei der Erarbeitung von Inhalten h�lt der Lehrer sich zur�ck (danach nur noch Berater, Helfer)
- Letztlich: Sch�ler sollen lernen, sich auf eigene Wege Informationen zu bestimmten Themen mit selbst gew�hlten Hilfsmitteln zu beschaffen.
- Sch�ler aus Passivum zum Aktivum! Der Sch�ler als handelndes Subjekt

2. Schule als Ganzes

- Weg von der blo�en „Lehr-Anstalt“, hin zur wirklichen Entfaltungs- und Lebensst�tte f�r die Kinder (Schule als Lebenskreis)
das hei�t:
-    Kinder m�ssen sich in der Schule heimisch f�hlen
-    Schularbeit ist st�rker am Gegenwartsleben orientiert (Kritik am Humanistischen Gymnasium, das sich zu stark an der Vergangenheit orientiert)
-    zentrale Aufgabe der Schule: Dem Heranwachsenden soll gezeigt werden, wie er m�glichst fr�h weitgehend selbstst�ndig arbeitet
-    Schule als Erlebnisschule: Spiel, Feiern, Feste, Wandern und Fahrten waren wichtiger Bestandteil der Schule.

3. Stufung des Unterrichts:

F�nf Arbeitsstufen:
-    Es wird ein Arbeitsziel gesetzt
-    Es werden die Arbeitsmittel aufgesucht, bereitgestellt, auf ihre Verwendbarkeit gepr�ft, ausgew�hlt und geordnet
-    Es wird ein Arbeitsweg als Plan entworfen  und in Arbeitsschritte gegliedert
-    Es werden die einzelnen Arbeitsabschnitte und Arbeitsschritte als in sich selbst�ndige, aufeinander bezogene Teile ausgef�hrt und in Verbindung gehalten.
-    Es wird das Arbeitsergebnis erfasst, besehen, gepr�ft, vorgestellt, gesichert.