Projektstudium im Sachunterricht. Exemplarisches Thema Yamana

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Aufbaumodul AM3
Seminar zum exemplarischen Thema
Dienstag 10-12 Uhr
Raum A4-4-411

parallel dazu gibt es ein allgemeines didaktisch-methodisches Seminar unter der Leitung von Julia LĂĽpkes.


In diesem Seminar soll projektartig gearbeitet werden. Es geht darum, sich in ein neues Thema recherchierend und forschend einzuarbeiten.
Dazu muss von allen Teilnehmenden viel Initiative und Eigenaktivität eingebracht werden.

Erste Informationen über die Wassernomaden im Süden Feuerlands, die bis zur ihrer Ausrottung durch weiße Siedler nördlich und südlich des Beagle-Kanals lebten, sind bei Wikipedia unter dem Stichwort Yagan bzw. Yamana zu entnehmen.

Zur Vorbereitung wird empfohlen, im Buch von BrĂĽggemann: Der trauernde Blick erste Orientierungen zu gewinnen.


Projektstudium im Sachunterricht : Exemplarisches Thema Yamana
AM3
Astrid Kaiser


Seminarkonzept:


Das erste Seminar in diesem Projektstudiumsmodul ist auch von der Anlage her als Projektseminar vorgesehen. Es wird nicht Wissen präsentiert, sondern alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer recherchieren eigenständig und tragen ihre Ergebnisse in die Projektrunde hinein.

BegrĂĽndung:


Das Thema "Indianer" ist ein beliebtes Sachunterrichtsthema. Kinder finden dieses Thema interessant, es wird allerdings voll von Stereotypen und Vorurteilen rezipiert.
Kinder glauben, Indianer seien mit buntem Federkopfschmuck geschmückt und folgen einem Häuptling, sie reiten über Land und wohnen in Zelten.
Die Yamana sind ein indigenes Volk, das diesen Stereotypen widerspricht, sie sind eine Gesellschaft von Gleichen, in denen die einzelnen Familienverbände als Wassernomaden von Insel zu Insel, von Bucht zu Bucht auf Nahrungssuche gemeinsam ziehen und in Kanus das Feuer von Lagerstätte zu Lagerstätte transportieren. Die Yamana, die im Süden Feuerlands bis zu ihrer fast vollständigen Ausrottung lebten, haben sich unbekleidet mit Seehundfett eingerieben vor den vielen Regengüssen in diesem kalten Klima geschützt.
Gerade weil diese Kultur in so vielen Punkten den Stereotypen des kindlichen Indianerglaubens widerspricht, eignet sie sich fĂĽr eine differenzierte interkulturell orientierte Didaktik zur Thematik.
Die Lebensweise der Yamana weicht in vielen Punkten von der in unserer Kultur ab und doch ist in den Mythen zu erkennen, dass die Yamana in einigen Aspekten vergleichbare Gefühle und Probleme haben etwa mit Menschen die überheblich sind oder geizig oder in Fällen von Eifersucht. Gerade die Besonderheit der Lebensweise schärft den Blick auf die gesellschaftliche Bedingtheit menschlicher Existenz und kann so als Grundlage für die Reflexion der eigenen Situation dienen. Insofern ist diese Kultur gerade wegen der Kontraste gut geeignet, über die eigene Gesellschaft und Kultur nachzudenken.
Auch für wissenschaftliches Arbeiten bietet dieses Thema interessante Besonderheiten, einerseits ist die wesentliche klassische Forschungsliteratur in deutscher Sprache. Aber was noch wichtiger ist: es gibt über die Yamana gegensätzliche Beschreibungen, einerseits von Darwin eine sehr negative fast verächtliche Darstellung, andererseits von Martin Gusinde ausführliche fast verherrlichende Beschreibungen von Kultur, Gesellschaft, Alltagsleben und technischen Errungenschaften. Die vielen von Gusinde gesammelten Mythen der Yamana ermöglichen Einblicke in die Emotionen und Probleme einer Kultur, die bereits ausgestorben ist, so dass Zeitzeugen nicht mehr befragt werden können.

Aktuell im Darwin-Jahr ist es besonders spannend, Texte von Darwin über die Yamana zu lesen, die durchaus sehr kritisch betrachtet werden können.


Verlaufsplanung:

In der ersten Sitzung gibt es eine kurze EinfĂĽhrung in die Thematik, danach werden Fragen gesammelt.
Gemeinsam wird versucht, aus dem Bestand an ethnografischer Literatur, Antworten auf die Fragen zu finden.
Im Laufe des Seminars wird auch erkenntnistheoretisch reflektiert, wie die verschiedenen Quellen zu bewerten sind.
Allmählich wird überlegt, was das gesammelte Wissen an Möglichkeiten bietet, dieses didaktisch umzusetzen.


FĂĽr den Handapparat sind folgende BĂĽcher bestellt worden:

Basisliteratur:

Darwin, Charles: Die Fahrt der Beagle : Tagebuch mit Erforschungen der Naturgeschichte und Geologie der Länder, die auf der Fahrt von HMS Beagle unter dem Kommando von Kapitän Fitz Roy. Hamburg : Marebuchverlag, 2006.

Brüggemann, Anne/Gusinde, Martin: Der trauernde Blick : Martin Gusindes Fotos der letzten Feuerland-Indianer. Museum für Völkerkunde, Frankfurt am Main. - Frankfurt am Main : Museum für Völkerkunde, 1989


Gusinde, Martin: Nordwind - Südwind : Mythen u. Märchen d. Feuerlandindianer / Gesammelt u. hrsg. von Martin Gusinde. - Kassel : Röth, (1966)

Gusinde, Martin: Die Feuerlandindianer : Ergebnisse meiner vier Forschungsreisen in den Jahre 1918 bis 1924, unternommen im Auftrage des Ministerio de Instruccion Publica de Chile in drei Bänden / hrsg. von Martin Gusinde. - Wien-Mödling : Verl. Anthropos, 1931
Bd. 2  Die Yamana: vom Leben und Denken der Wassernomaden am Kap Horn- 1937. Anthropos-Bibliothek ;
Palma, Marisol: Bild, Materialität, Rezeption. Verlag Meidenbauer; 2007
Coiazzi, Antonio: The Indians of the fueguino archipelago. Punta Arenas: Editoral AtelĂ­ 1999
Chatwin, Bruce/ Theroux, Paul: Wiedersehen mit Patagonien, Fischer (Tb.), Frankfurt 1995
Gusinde, Martin: Urmenschen im Feuerland. Vom Forscher zum Stammesmitglied.- Berlin [u.a.] : Zsolnay, 1946.
Bridges, Thomas: Yamana - English : a dictionary of the speech of Tierra del Fuego / by Thomas Bridges. Ed. by Ferdinand Hestermann and Martin Gusinde. - Mödling in Austria : Missionsdr. St. Gabriel, 1933.
Rossi, Juan José:
Los Yámana : pescadores australes / Juan José Rossi. - 1. ed. - Buenos Aires : Galerna, 2006
Koppers, Wilhelm: Unter Feuerland-Indianern. Stuttgart 1924


Meissner, Hans-Otto: Rund um Kap Horn. Bei Wassernomaden, SchafzĂĽchtern und Goldsuchern auf Feuerland. GĂĽtersloh: Bertelsmann 1987

Koppers, Wilhelm: Stammesgliederung und Strafrecht der häuptlingslosen Yamana auf Feuerland. Roma: Riccardo Garroni 1928










   

Artikel:

Meine Forschungsreisen ins Feuerland und deren Ergebnisse / Martin Gusinde. - Wien : [Anthropos Administration], 1925
In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. Sitzungsberichte; Jg. 1924/25, Bd. 55

Koppers, Wilhelm: Unter Feuerland-Indianern; eine Forschungsreise zu den sĂĽdlichsten Bewohnern der Erde mit M. Gusinde by Wilhelm Koppers American Anthropologist, New Series, Vol. 26, No. 3 (Jul. - Sep., 1924), pp. 414-415