Lernwege und Lernvoraussetzungen im Sachunterricht

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Lernen im Sachunterricht, Modul 2

aktueller Rundbrief:
Liebe Studierende des Lernwegeseminars Di 10-12,
Ich bitte Sie, in den nächsten Tagen beim Einkaufen, im Bus oder sonst wo Kinder anzusprechen und ihnen eine Frage zu stellen, in denen Sie das Verständnis der Kinder erfragen. Sie können situativ flexibel entscheiden, wie und was Sie fragen.
Derartige Fragen wären:
Wie kommt es, dass die Lampe das Zimmer hell macht?
Woher kommt das Geld?
Wie entsteht Butter?
Woher kommen die Kinder?
Warum blühen die Tulpen?
Wie kommt es, dass es Straßen gibt?
Merken Sie sich die Antworten und schreiben Sie diese für das Seminar am Dienstag auf einen Zettel!
Ich bin sehr gespannt
Mit besten Grüßen
Astrid Kaiser



Seminar 3 KP
Di 10-12 Uhr
Raum A4-5-516
im Modul 2


Seminar mit Exkursionen

zu erbringende Leistungen im Gesamtmodul


Methodenportfolio:
ein Exkursionsbericht, eine Multimedia-Aufbereitung eines Inhalts, eine selbst verfasste Sachunterrichtserzählung, eine Kinderbuchpräsentation, je ein Erklärungstext für Kinder von ca. 10 Zeilen zu einem naturwissenschaftlichen Phänomen und zu einem sozialwissenschaftlichen Problem
4 Exkursionszertifikate (4 Exkursionstage)

Seminarplan:

 

Ergebnisse der Lernvoraussetzungsforschung

(Fabrikbildprojekt, Vorwissensbedeutung - Hempel, naturwissenschaftliches Verstehen - Landwehr, Weltwissenserwerb - Röhner, Körper und Sexualität - Milhoffer)
(3 Sitzungen)

Überblick über Lernwege

(6 Sitzungen)

3 gemeinsame Exkursionen
Analyse von Exkursionsberichten
(4 Sitzungen)

Literatur:
Kaiser/Pech (Hrsg): Lernvoraussetzungen und Lernen im Sachunterricht. Basiswissen Sachunterricht Band 4. Baltmannsweiler 2004 (Einleitungsartikel Kaiser/Pech für alle)
Kaiser/Pech (Hrsg.): Neuere Konzeptionen und Zielsetzungen im Sachunterricht. Basiswissen Sachunterricht Band 2. Baltmannsweiler 2004

Kaiser/Pech (Hrsg): Lernvoraussetzungen und Lernen im Sachunterricht. Basiswissen Sachunterricht Band 4. Baltmannsweiler 2004 (Einleitungsartikel Kaiser/Pech für alle)
Kaiser/Pech (Hrsg.): Neuere Konzeptionen und Zielsetzungen im Sachunterricht. Basiswissen Sachunterricht Band 2. Baltmannsweiler 2004

 

Vertiefungsliteratur:

Kaiser, Astrid: Zukunftsbilder von Kindern der Welt : Vergleich der Zukunftsvorstellungen von Kindern aus Japan, Deutschland und Chile. Baltmannsweiler : Schneider Verl. Hohengehren, 2003

Kaiser, Astrid: Lernvoraussetzungen von Mädchen und Jungen für sozialwissenschaftlichen Sachunterricht. Oldenburg: ZpB 1996

Janßen, Ulrich/ Steuernagel, Ulla: Die Kinder-Uni. Forscher erklären die Rätsel der Welt. Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 2003

Hempel, Marlies (Hg.): Lernwege der Kinder. Baltmannsweiler 2002 (2)

Irmtraud Schnell / Alfred Sander (Hg.): Inklusive Pädagogik. Bad Heilbrunn 2004

Beck, Erwin / Guldimann, Titus / Zutavern, Michael: Eigenständig lernende Schülerinnen und Schüler. In: Beck, Erwin / Guldimann, Titus / Zutavern, Michael (Hg.): Eigenständig lernen. St. Gallen 1996, 15-58

Elschenbroich, Donata / Antje Kunstmann:Weltwissen der Siebenjährigen. Wie Kinder die Welt entdecken können.München 2001

Holzkamp, Klaus: Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung. Frankfurt 1993

Krieg, Elsbeth: Lernen von Reggio. Lage: Verlag Hans Jacobs 2002

Kükelhaus, Hugo/Zur Lippe, Rudolf: Entfaltung der Sinne. Frankfurt 1982.

Mann, Iris: Lernen können ja alle Leute. Beltz: Weinheim 1999

Moll, Andrea: Was Kinder denken. Bad Schwalbach: Wochenschau Verlag 2001

 

Lernvoraussetzungen

Kaiser, Astrid: Lernvoraussetzungen von Mädchen und Jungen für sozialwissenschaftlichen Sachunterricht. Oldenburg: ZpB 1996

vertiefend zu Lernvoraussetzungen
Kaiser, Astrid: Zukunftsbilder von Kindern der Welt : Vergleich der Zukunftsvorstellungen von Kindern aus Japan, Deutschland und Chile. Baltmannsweiler : Schneider Verl. Hohengehren, 2003
Moll, Andrea: Was Kinder denken. Bad Schwalbach: Wochenschau Verlag 2001
Kaiser, Astrid: Zukunftsbilder von Kindern der Welt : Vergleich der Zukunftsvorstellungen von Kindern aus Japan, Deutschland und Chile. Baltmannsweiler : Schneider Verl. Hohengehren, 2003
Elschenbroich, Donata / Antje Kunstmann:Weltwissen der Siebenjährigen. Wie Kinder die Welt entdecken können.München 2001 (nicht empirisch erhoben)
Hempel, Marlies: Zur Bedeutung des Vorwissens der Mädchen und Jungen im Anfangsunterricht des sozialwissenschaftlichen Sachunterrichts. In: Kaiser, Astrid/ Pech, Detlef. Lernvoraussetzungen und Lernen im Sachunterricht. Band 4 Basiswissen Sachunterricht. Baltmannsweiler 2004, S. 38-44
Milhoffer, Petra: Körper und Sexualität – was Mädchen und Jungen in der Grundschule beschäftigt. In: Kaiser, Astrid/Pech, Detlef. Lernvoraussetzungen und Lernen im Sachunterricht. Band 4 Basiswissen Sachunterricht. Baltmannsweiler 2004, S. 76-83

Entdeckendes Lernen

Grundlage:
entdeckendes Lernen (Hellberg-Rode, Band 2 Basiswissen)

Aepkers, Michael/Liebig, Sabine: Entdeckendes, Forschendes, Genetisches Lernen. Basiswissen Pädagogik Band 4. Baltmannsweiler 2002

Projektorientierung

Lenzen,  Dieter/Emer, Wolfgang: Projektunterricht gestalten - Schule verändern.  Basiswissen Pädagogik Band 6. Baltmannsweiler 2002
Götze-Emer, Brigitte u.a.: Projektunterricht in altersgemischten Lern-Gruppen. Baltmannsweiler 2000
HÄNSEL, DAGMAR (Hg.): Projektbuch Grundschule. Weinheim - Basel 1986

Selbstgesteuertes Lernen

Siller, Rolf: Selbstgesteuertes Lernen. In: Pech, Detlef/ Kaiser, Astrid (Hg.): Lernvoraussetzungen und Lernen im Sachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider 2004 (Grundlage für alle)
Artelt, Cordula/ Demmrich, Anke/ Baumert, Jürgen: Selbstreguliertes Lernen. In: Baumert, Jürgen u.a. (Hrsg.) – Deutsches PISA-Konsortium: PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Opladen: Leske+Budrich 2001, S. 271-299
Bannach, Michael: Selbstbestimmtes Lernen. Grundlagen der Schulpädagogik. Band 41. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2002
Holt, John: Kinder lernen selbstständig. Weinheim und Basel: Beltz 1999


Lernen des Lernens

 

Kaiser, Astrid: Lernen des Lernens. In: Kaiser, Astrid/Pech, Detlef: Basiswissen Sachunterricht Band 4. Baltmannsweiler 2004
Kaiser, Astrid: Lernen durch Lernen des Lernens. In: Hempel, Marlies (Hg.): Lernwege der Kinder. Baltmannsweiler: Schneider 1999, 59-75


Weiterführende Lit. -Lernen des Lernens
Beck, Erwin: Eine Didaktik der Eigenständigkeit. In: Beck, Erwin/ Guldimann, Titus/ Zutavern, Michael (Hrsg.): Eigenständig lernen. St. Gallen: UVK Verlag 1996, S.183-198
Beck, Erwin/ Guldimann, Titus/ Zutavern, Michael: Eigenständig lernende Schülerinnen und Schüler. In: Beck, Erwin/ Guldimann, Titus/ Zutavern, Michael (Hg.): Eigenständig lernen. St. Gallen: UVK Verlag 1996, S. 15-58
Bönsch, Manfred: Das Lernen des Lernens in der Schule. In: Hauptschulmagazin 1985 H. 9, S. 51-52
Heymann, Hans Werner: Methoden des Lernens – Methoden der Fächer. In: Pädagogik 50, 1998, H. 3, S. 7-8
Hirsch, Eric Donald jr.: „Mann kann doch einfach nachschlagen“ – oder etwa nicht? In: Böttcher, Wolfgang/ Kalb, Peter E. (Hrsg.): Kerncurriculum. Was Kinder in der Grundschule lernen sollen. Eine Streitschrift. Weinheim: Beltz 2002, S. 48-63
Konrad, Klaus/ Wagner, Annette: Lernstrategien für Kinder. Baltmannsweiler: Schneider 1999
Konrad, Klaus: Wege zum selbstgesteuerten Lernen. Vom Konzept zur Umsetzung. In: Pädagogik 55, 2003, H. 5, S. 14-17
Lankes, Eva-Maria: Lebenslanges Lernen beginnt in der Grundschule. In: Fölling-Albers, Maria/ Richter, Sigrun/ Brügelmann, Hans/ Speck-Hamdan (Hrsg.): Jahrbuch Grundschule III. Fragen der Praxis – Befunde der Forschung. Seelze/ Velber: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung 2001, S. 137-140
Metzger, Christoph/ Weinstein, Claire E./ Palmer, David R: Wie lerne ich?: Lernstrategieninventar für Schülerinnen und Schüler. Aarau: Sauerländer 1998 (2)
Reinmann-Rothmeier, Gabi: Vom selbstgesteuerten zum selbstbestimmten Lernen. Sieben Denkanstöße und ein Plädoyer für eine konstruktivistische Haltung. In: Pädagogik 55, 2003, H. 5, S. 10-13
Weinert, Franz E./ Schrader, Friedrich-Wilhelm: Lernen lernen als psychologisches Problem. In: Weinert, Franz E: / Mandl, Heinz: Enzyklopädie der Psychologie. Bd. 4, Psychologie der Erwachsenenbildung. Göttingen: Hogrefe-Verlag 1997, S. 295-335



Handlungsorientiertes Lernen

 

Giest, Hartmut: Handlungsorientiertes Lernen. In: Pech, Detlef/ Kaiser, Astrid (Hg.): Neuere Konzeptionen und Zielsetzungen im Sachunterricht. Basiswissen Sachunterricht Band 2. Baltmannsweiler: Schneider 2004, S. 90-98
Popp, Walter: Zur anthropologischen Begründung eines handlungsorientierten Sachunterrichts. In: Duncker, Ludwig/ Popp, Walter (Hrsg.): Kind und Sache. München: Juventa 1994, S. 57-78
Gudjons, Herbert: Handlungsorientiert lehren und lernen. Bad Heilbrunn 1997 (5)



Seminarplan

12.4.    Seminarplan;
Lernvoraussetzungen für sozialwissenschaftlichen Sachunterricht
19.4.   Kinderbuchpräsentation vergeben
Weltwissen der Kinder, Sexualwissen von Mädchen und Jungen, Wege der Ermittlung von Lernvoraussetzungen (Stephanie Kujadt)
26.4.   Kerstin Meyer Kinderbuchpräsentation
 Conceptual Change
3.5.    Kinderbuchpräsentation Stephanie Jüchter
Entdeckendes Lernen
10.5.    Kinderbuchpräsentation Manuela Grimm
Projektorientiertes Lernen (Frauke Meyer)
17.5. Kinderbuchpräsentation Julia Pinkernelle 
Selbstgesteuertes Lernen (Vorbereitung Manuela Grimm)
24.5.   Kinderbuchpräsentation Natalie Kaiser
 Kinder lernen von Kindern (Sara Bartsch und Stephanie Muck)
31.5.    Kinderbuchpräsentation Antje Tereschuk
Lernen durch Lernen des Lernens (Vorbereitung frei)
7.6.   Kinderbuchpräsentation Stephanie Kujadt Handlungsorientiertes Lernen (Julia Pinkernelle, Saskia Lübben)
14.6.    Exkursion Autofriedhof
21.6.    Exkursion Landgericht
28.6.    Exkursion Eversten Holz
5.7.    Exkursionsberichte
Für jede Seminarsitzung ist der folgende Rhythmus vorgesehen:
1)    Kinderbuchvorstellung 2) Erfahrungsbeispiel zu einem Lernweg 3) Diskussion

Lernvoraussetzungen



Methodische Varianten der Analyse von Lernvoraussetzungen

Astrid Kaiser

1) Das offene Gespräch/Assoziationsketten


Dieser Methodenbereich zielt darauf ab, in Gruppen-, Einzel- oder Klassensituation verbale Daten über die Lernenden zu bekommen, u.a. durch die folgenden konkreten Erhebungsansätze:
offene Gesprächssituationen längerfristig protokollieren
•    Gespräche im Morgenkreis analysieren
•    Stichwort zur Assoziation vorgegeben (z.B. Umwelt)
•    Legen von Clustern anhand vorgegebener Stichwortkarten (Pranger, Marktplatz, Elle)
•    direkte standardisierte Interviewfrage (Was weißt Du über die Entstehung von Kriegen?“)
•    teilstandardisiertes Interview (Stichpunkte für Interview: Überschwemmungsursachen, welche anderen „Natur“katastrophen, Klimakenntnisse)
•    narratives Interview (Erzählt von Euren Erlebnissen!)
•    offener thematischer Impuls zu Beginn einer Unterrichtseinheit (Was wißt ihr zum Thema Umweltschutz und was wollt ihr lernen?)
•    philosophische Problemgespräche („Lieber hungern und ehrlich oder reich und gemein?“)
Hierbei hat es sich als besonders ertragreich erwiesen, die einen Mittelweg zwischen offener Erhebungssituation (offene Gesprächssituationen) und standardisierten Interviewformen zu gehen. Insbesondere der Ansatz, Stichworte zur Assoziation vorzugeben, erwies sich in Gruppen- und Klassensituationen als außerordentlich produktiv.

2) Analyse ästhetischer Produkte

Ästhetische Produkte sind Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Collagen, Geschichten, szenisches Spiel u.a. Formen der subjektiven Verarbeitung von inhaltlichen Problemen.
•    Bildanalyse (Impuls: „Was fällt dir zu Picassos Bild mit dem Kind und der Taube ein?“)
•    Ästhetische Impulse (Bild malen)
•    projektive Handlungsmaterialien (eine Szene mit Figuren stellen/spielen)
•    Zeichnungen (Impuls: „Wie stellst du dir dein Erwachsenenleben vor?“)
•    abstrakte Visualisierungen (Impuls: „Malt den Frieden!“)
•    symbolische Darstellungen (z.B. durch Knöpfe verschiedene Persönlichkeiten von Jungen und Mädchen und soziale Beziehungen repräsentieren)
•    plastische Darstellungen (Impuls: „Formt aus Ton ein Denkmal für den Frieden!“)
•    szenische oder pantomimische Darstellungen („ein Mädchen - wie ich es mir wünsche“)
•    Standbilder (Impuls: „Stelle dich so hin, wie ein Mädchen nach Deiner Meinung [nicht] sein sollte!“)
•    Aufsatzanalyse („Mein Leben in 20 Jahren“)
•    selbsterstellte „Ergebnisbücher“ nach Abschluss eines Teilthemas

Literatur: Kaiser, Astrid: Lernvoraussetzungen von Mädchen und Jungen für sozialwissenschaftlichen Sachunterricht. Oldenburg: ZpB 1996

Bilder zu Lernvoraussetzungen findet man im Buch:

Kaiser, Astrid: Zukunftsbilder von Kindern der Welt. Baltmannsweiler 2003
Bilder aus Japan und Chile auf dem Cover

Conceptual Change

Ausgang: Verständnis der Kinder erfragen.
Derartige Fragen wären:
Wie kommt es, dass die Lampe das Zimmer hell macht?
Woher kommt das Geld?
Wie entsteht Butter?
Woher kommen die Kinder?
Warum blühen die Tulpen?
Wie kommt es, dass es Straßen gibt?


Conceptual Change


Konzeptwechsel („conceptual change“) ist das didaktische Bemühen, wonach die Kinder von ihren Alltagsvorstellungen hin zu wissenschaftlichen Konzepten geführt werden.

drei grundlegende didaktische Ansätze
1.    das Bemühen, „falsche“ Vorstellungen zu vermeiden und ihre Entstehung bzw. Benennung im Unterricht zu umgehen,
2.    die Konfrontationsstrategie, indem die Schülerinnen und Schüler in kognitive Konflikte zwischen Alltagsvorstellungen und naturwissenschaftlichen Theorien gebracht werden,
3.    die Umdeutungsstrategie, bei der Alltagsvorstellungen und naturwissenschaftliche Konzepte nebeneinander in Beziehung zu den Unterrichtsinhalten gesetzt werden, um den Lernenden eine eigenständige, dialogische Bewertung zu ermöglichen.

 „die eigene Begriffsstruktur veränderten Kontexten anzupassen, ist eine lebenslange, zentrale Herausforderung beim Lernen“ (Stern 2003, S. 55).


kein progressives Modell des immer besseren Verstehens, auch Rückschritte sind möglich.

kognitive Bedingungen:
a)       Unzufriedenheit der Schüler mit ihren bisherigen       Vorstellungen;
b)    die neue Vorstellung muss den Schülern verständlich;
c)         sie muss ihnen von Anfang an plausibel und
d)    sie muss in ihrer Anwendung fruchtbar sein.

Merkmale von Unterricht, der dem Konzeptwechsel förderlich ist:

     handelndes Lernen
     metakognitive Vorgehensweise
     motivationale und situative Klassenzimmervariablen
     eigenaktive Seite des Lernens
     Kontext von Aufgaben wesentlich, ob sie auch lernförderlich wirken

Teilaspekte
-    Weiterentwicklung der individuellen Vorstellungen
-    Angebot von neuen Ordnungskategorien
-    die Präsentation kognitiver Konflikte im Kontext sachlicher Problemstellungen
-    das Zulassen von Fehlwegen
-    ein ausgewogenes Verhältnis von Bekanntem und Unbekanntem
-    Anregungen, das Lernen zu lernen im Sinne von Meta-Learning
-    Angebot vielfältiger Lernaktivitäten
-    Ebenenwechsel wie Integration von Alltagswissen und Fachwissen, prozess- und produktorientiertes Lernen, Wechsel zwischen individuellem und kooperativen Lernen, Gezielte Förderung von Transfer
-    Strukturierungshilfen
-    Reflektierendes Lernen

Handout Projektorientiertes Lernen

Frauke Meyer und Manuela Grimm 10.05.2005

Verwendete Literatur: Basiswissen Sachunterricht, Band 2, Lange, Dirk; Projektunterricht gestalten-Schule verändern, Emer/Lenzen;
Kind und Sache, Duncker, Ludwig
(nähere Angaben im Literaturverzeichnis dieser Seite)

Was ist projektorientiertes Lernen?

–    eine erste Annäherung

-    „selbstgestellt praxisbezogene Problemfälle formulieren, bearbeiten und bewältigen“
-    „soziale Realität nicht nur erforschen und beschreiben, sondern gleichzeitig verändern“
-    Produkt eines Unterrichtsprojekts = Intervention in die Gesellschaft
-    Kenntnisse und Kompetenzen sind nicht lehrgangsartig proportioniert, sondern werden durch die Praxis selbst angeeignet
-    Lehrer befindet sich in der Funktion des Beraters
Was spricht für Projektunterricht in der Schule?

schultheoretisch:

-    Förderung von Qualifikationen wie Selbstständigkeit, Teamwork, Kreativität und komplexes Denken -> Bereicherung der Lernkultur
lern- und kognitionspsychologisch:
-    Handlungsmöglichkeiten und Erfahrungen unterstützen das Lernen -> Aneignung neuer Lerngegenstände wird erheblich befördert

handlungstheoretisch:

-    Durch Handeln wird menschliches Tun sinnhaft verarbeitet -> denkende Verarbeitung eigener Praxis beim Projektlernen

sozialisationstheoretisch:

-    dem Verlust einer unmittelbaren Realität kann durch Lebenswelt- und Anwendungsbezüge entgegengewirkt werden
-    Ausdehnung des Fernseh- und Videokonsums bewirkt, dass „Erfahrungen aus zweiter Hand (...) diejenige Erfahrung (verdrängt), die auf eigenem Handeln beruht“. Projektorientiertes Lernen wirkt dem entgegen.

sozioökonomisch:

-    Vermittlung von Schlüsselqualifikationen (z.B. Kooperation, Teamfähigkeit) -> Vorbereitung auf die zukünftige Arbeits- und Sozialwelt
politisch:
-    Entwicklung demokratischer Handlungs- und Urteilskompetenzen


lernökologisch:

-    es wird nicht nur für die Schule gelernt, sondern für das Leben -> intrinsische  Motivation -> Nachhaltigkeit des Lernens               

Methoden des Projektunterrichts

 

Ausgehend von sieben Projektkriterien:

-    zwei Ausgangspunkte (Gesellschaftsbezug, Lebenspraxisbezug)
-    drei zentrale Arbeitsformen (Selbstbestimmtes und gemeinsames Lernen,
Ganzheitliches Arbeiten, Fächerübergreifendes Arbeiten)
-    zwei Zielhorizonte (zentrales Handlungsziel des verändernden Eingreifens in die soziale Realität, Produktorientierung, Kommunikative Vermittlung)

Methodenbereiche:

-    offener Unterricht, erfahrungsbezogener Unterricht, Epochenunterricht, entdeckendes Lernen, soziales Lernen und Gruppenunterricht, exemplarisch-genetisches Lernen, Fächerübergreifendes Lernen, Erlebnispädagogik

Grundsätzlich:
-    Methoden gehen stark vom Subjekt aus

-    Handlungsorientierung als zentraler Aspekt

Merkmale und Phasen des Projektunterrichts

Merkmale:

-    Ausgangspunkt ist  die Lebenswelt der SchülerInnen
und eine problemhaltige Situation

-    Situationsbezug (auf gegenwärtige und zukünftige Lebenssituationen ausgerichtet)

-    Orientierung an den Interessen der Beteiligten

-    Selbstorganisation und Selbstverantwortung

-    Gesellschaftliche Praxisrelevanz (Lerninhalte, die heutige Probleme des Kindes behandeln)

-    Zielgerichtete Projektplanung

-    Produktorientierung

-    Einbeziehen vieler Sinne

-    Soziales Lernen

-    Interdisziplinarität

Phasen:

-    Problemdefinition

-    Hypothesenbildung

-    Planung

-    produktbezogene Ausführung

-    Reflexion und Bewertung

Formen der Projektarbeit


-    Vollform (Projektunterricht als Projekttage oder -wochen)
-    Reduzierte Form (Projektorientiertes Lernen, in einem Fach, in einer Klasse als Mini-Projekte)
-    Vorbereitende Form (Gruppenarbeit, Präsentationen von Ergebnissen)
Gesichtspunkte:
-    beteiligte Personen
-    benutzter Lernort
-    Zeitraum
-    Bezug zum Fächerkanon
-    Bezug zum Gesamtcurriculum
-    erreichtes Produkt

Welche Ziele verfolgt der Projektunterricht?


Allgemein:
-    das zentrale Handlungsziel ist veränderndes Eingreifen in die soziale Realität
-    Produktorientierung:
o    Das Produkt sollte einen Gebrauchs- und Mitteilungswert für andere haben (z.B. öffentliche Information über ein Umweltproblem)
-    Kommunikative Vermittlung:
o    Präsentation und Vermittlung des Produktes nach außen (erhöht den Ernstcharakter)

Fähigkeiten der SchülerInnen, die (weiter-) entwickelt werden (sollen):


Befähigung zur Gruppenarbeit
-    Einübung kommunikativer Kompetenz
-    Grundformen der Kooperation

Erarbeiten von Informationen
-    selbst Recherchen betreiben
-    Aufspüren von Informationsquellen

Präsentation von Ergebnissen
-    Wissen um sinnvolle Präsentation eigener Arbeiten
-    Entfaltung eines Ideen- Repertoires

Das Organisieren lernen
-    Kalkulation, Organisation, Verwaltung

Sich „öffentlich“ verhalten
-    öffentlich als Sprecher und Vertreter von Interessen auftreten
-    Ausbildung sozialer Geschicklichkeit und Erziehung zur Geschäftsfähigkeit


Selbstgesteuertes Lernen



•    Fremdbestimmtes und selbstbestimmtes Lernen Antriebskräfte für den Bildungsprozess
•    durch Gründung von Schulen: Stellenwert des eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lernens oft verloren

oft synonym gebraucht, aber wichtige Unterschiede:
•    selbstgesteuertes,
•    selbstorganisiertes und
•    selbstreguliertes Lernen




Selbststeuerung
Wichtig: Mündigkeit
Gefahr: bloße  Trainingsprogramme
Entscheidend: Metareflexion über den Verlauf der Lernprozesse (Verbindung mit Lernen des Lernens), also Planung, Überwachung, Steuerung, Evaluation.

Voraussetzung:

•    Wechsel der Perspektiven vornehmen
•    sich selbst zum Objekt ihrer Wahrnehmungen machen können
•    sich selbständig Ziele zu setzen,
•    sich selbst zu motivieren
•    Erfolge und Misserfolge angemessen verarbeiten.

Metapher

 in der Position eines Chauffeurs oder einer Chauffeurin

Selbststeuerung des Lernens – historisches Beispiel:
1911 spricht Georg Kerschensteiner davon, „dass der Geist nur wachsen kann aus der Selbstkritik seines eigenen Tuns und aus der Selbstüberwindung“ (Kerschensteiner 1957, S. 29ff.).

konkrete Schritte:

a) die Auffindung und Umgrenzung der zu lösenden Schwierigkeiten
b) die aufsteigenden Vermutungen zu ihrer Lösung
c) die konsequente Verfolgung dieser Vermutungen auf ihren Wert für die Lösung und schließlich
d) die Verifikation in der Ausführung der Arbeit.

Beispiele:

•    Freie Arbeit
•    Wochenplan
•    Projektunterricht

PISA-Studie bestätigte, dass Mädchen kompetenter lernen; sie verfügen über besseres Lernstrategiewissen als Jungen und wenden häufiger Kontrollstrategien an (Artelt 2001, S. 296f.).
Selbststeuerung des Lernens im Sachunterricht der Grundschule
-    Selbstwahrnehmung.
-    Planungskompetenz.
-    Selbstbewertung.
-    Modifizierung des Lernens.

Selbsterfahrungsbeispiel selbstgesteuerten Lernens

eigene Lernbarrieren und Lernvoraussetzungen für den Sachunterricht finden

 

Positive Lernvoraussetzungen

positive Vorbilder („alte“ Lehrer)
- Teamfähigkeit
- gutes Allgemeinwissen
- Fähigkeit zum selbstst. Arbeiten
- großer Erfahrungsschatz
- Eigenmotivation
- Toleranz
- Verantwortungsbewusstsein
- Vorerfahrung
- soziale Kompetenz
- Umgang mit Kindern
- Allgemeinwissen
- Toleranz
- Motivation
- Kreativität
- Animation, Begeisterungsfähigkeit
- Geduld
- Toleranz
- kein Ekel vor Insekten etc.
- Konsequenz
- kreativ
- Motivation
- Kraft   
- Willensstärke   
- Ausdauer   
- Geduld   
- Tatendrang   
- Zivilcourage   
- Herzlichkeit   
- demokratisch (mit den Kindern Entscheidungen treffen)   
- Ehrlichkeit   
- kinderlieb   
- Spaß
- Kindersendungen (Löwenzahn,
  Sendung mit der Maus, Sesamstraße etc.)
- Familie weckt Interesse
- Kinderbücher
- Natur vor der Haustür (entdeckendes Lernen)


Lernbarrieren

negative Vorbilder („alte“ Lehrer)
„Naturwissenschaften ist nichts für Mädchen“
- Desinteresse
- Ängste um Akzeptanz   
- persönliche Unsicherheit   
- Versagensängste   
- Leistungsdruck   
- Aggressivität   
- Widerstandslosigkeit   
- kein Einfühlungsvermögen   
- extreme Autorität   
- Unflexibilität   

Kinder lernen von Kindern


(nur aus der Sicht des institutionalisierten Sachunterrichts, wo Kinder Raum bekommen voneinander zu lernen)

Konstruktivistisches Lernen


-    neue aufkommende Lernkultur, die seit 1990 an Bedeutung zugenommen hat
-    kommt Forderungen von sozialem, kollektivem oder kooperativen Lernen nach
-    sozialer Austausch als zentraler Aspekt
-    verschieden Ansichten und Meinungen kommen zum Ausdruck
-    um seine Gedanken klar ordnen zu können braucht es den Austausch mit anderen
=> Austausch als wichtiger Bestanteil

Vorteile und Ziele


- Kinder sind durch soziale Interaktion gezwungen:
- zu argumentieren
- eigene Vermutungen aufzustellen
- Beweise zu erbringen
- sich zu verteidigen
- Schlüsse zu ziehen
- Argumente der anderen Mitschüler zu akzeptieren
- Kinder sind in der Gruppe in der Lage für etwas Lösungen zu, wozu sie alleine nicht in der Lage gewesen wären
-    SchülerInnen regulieren Verlauf des Gesprächs
-    Mehrer Aspekte eines Themas werden gesehen, wodurch eine differenzierte Sicht zu dem Thema entsteht (Vielperspektivisches Denken)
-    Aufbau von Wissensstrukturen und kognitive Umstrukturierung
-    durch konträre Ansichten, die zu kognitiven Konflikten führen, ermöglichen ein Verstehen auf höherer Ebene
-    Beziehungen und soziale Kompetenzen werden gefördert
-    Kinder lernen von anderen Kindern das Lernen

Grundsätze:


1)    Fähigkeiten grundlegen:
-  Gesprächsregeln müssen vereinbart werden

2)    Gelegenheiten schaffen:
- Gelegenheit des offenen Unterrichts, wo sich die Kinder austauschen können

3)    Austauschprozesse intensivieren:
- Beispiel: Bildung von Expertengruppen oder „Stehkreisen“ in denen sich über Fragen ausgetauscht wird
-  um oberflächliches Argumentieren zu vermeiden
4)    Gemeinsame Lernprozesse reflektieren:
-  Am Ende sollte das Ergebnis noch mal zusammengefasst werden
- Berücksichtigung einzelner Beiträge

Aufgabe des Sachunterrichtslehrers/der Sachunterrichtslehrerin


-    lenkende und eingreifende Person, die gesicherte Informationen vermitteln kann (gelenkte Interaktion)
-    Hilfe bei Strukturierungen

Lernen des Lernens

Nur wenn das Subjekt – also für den Sachunterricht das Kind – lernen will, kann es auch lernen. Nur wenn das zu Lernende auf den Lernwegen des Kindes angeboten wird, kann es auch gefunden werden.

Deutscher Bildungsrat 1970: 
-    Die Bereitschaft und Fähigkeit zum ständigen Weiterlernen
-    Grundlegende Methoden des Lernen
-    Ein bewusstes reflektiertes Lernen

Beim „Lernen lernen“ geht es um das Aneignen von Methoden
Verwandter Begriff Meta-learning

Was ist Lernen des Lernens?

Es gilt also nicht nur den jeweiligen Inhalt zu betrachten, sondern auch das Lernen zu lernen. Dazu muss das einzelne Kind auch einen Überblick über den eigenen Lernprozess finden. Es muss quasi außerhalb des eigenen Lernprozesses stehen können und ihn von außen betrachten können, um ihn bewusster zu steuern.

Was ist gemeint?
vielfältige metakognitive Planungsstrategien und Reflexionen der Inhalte des bisherigen Lernstandes


Das Lernen des Lernens ist prinzipiell schon in den ersten Grundschuljahren möglich. Es bedarf allerdings der systematischen Anleitung und des schrittweisen Aufbaus dieser selbstreflexiven Fähigkeiten.

zwei Formen der Metakognition

nach Konrad 1997
1)
Das Wissen über die eigene Person und die Lernaufgabe: Inwiefern kennt ein Lernender sich selbst, seine Stärken und Schwächen, seine mit dem Lernen zusammenhängenden Kognitionen, Emotionen und Motivationen?
2) 
Die Kontrolle, Steuerung und Regulation des eigenen Lerngeschehens. Inwiefern kennt und nutzt ein Lernender Verfahren des Lernens, Denkens und Problemläsens bewusst?“ (Konrad/ Wagner 1999, S. 15).

Phasen“ des Lernens des Lernens:

1    Vorerfahrungen entwickeln und Kontexte bilden: Erfahrungen sammeln, mit den Phänomenen umgehen
2    Lernimpuls geben – Motivation aufbauen: Paradoxie lösen wollen, Problem sehen, Widerspruch erkennen
3    Lernprozess entwickeln und differenzieren- gezielte Lernaktivitäten entfalten: Auseinandersetzung mit dem Problem, Suche nach Lösungen, Erkenntnissen, Experimente
4    Lernabschluss – Rückbetrachtung des Erkenntnisgewinns: Begriffliches Einordnen, Unterrichtsgespräch, Vergleich, Ausarbeitung, Dokumentation
5    Transfer: Übertragung des Gelernten auf andere Gebiete, Verarbeitung der Erkenntnisse in neuen Kontexten

Was heißt Lernen des Lernens?

Kriterien zur Begriffsbestimmung
Die einfachste Variante ist anzunehmen, das Lernen des Lernens geschehe ohnehin laufend als informelles Lernen.

Prinzipien des Lernen Lernens

„Der Schlüssel zum „Lernen des Lernens“ Bewusstmachen des eigenen Könnens und Scheiterns, also in der Reflexion der eigenen Arbeits- und Lernerfahrungen


metakognitive Fähigkeiten wie Voraussagen, überprüfen, überwachen, Hypothesen testen, Koordinieren und Kontrollieren verschiedener Lösungsansätze

sechs Prinzipien

1.    Das eigene Lernen beobachten und verstehen lernen. (Arbeitsheft = monitoring)
2.    Durch Beobachten anderer Arbeits- und Lernmodelle sein eigenes Vorgehen modifizieren und optimieren. (Ausführungsmodell = modeling)
3.    Gemeinsam Lernarbeit leisten und aus den gemachten Erfahrungen lernen. (Lernpartnerschaften = evaluation)
4.    Die Wirksamkeit der individuellen und der gemeinsamen Lernarbeit überprüfen. (Arbeitsrückschau = reflection)
5.    Arbeits- und Lernerfahrungen mit anderen besprechen, verarbeiten und voneinander lernen. (Klassenkonferenzen = conferencing)
6.    Scaffolding: anspruchsvolle Aufgaben anstelle einfacher repetitiver zu bearbeiten, aber den Lernenden Reflexion und Gerüstbildung anzubieten
Hier bedarf es schrittweise aufgebauter Techniken.
Für den Sachunterricht: Kombination aus selbstreflexiven (monitoring, reflection) und sozial-kommunikativen (modeling, evaluation, conferencing) Prozessen von Bedeutung
für das Grundschulalter der Grenzen kognitiver Reflexion

In englischen Primarstufen

1.    ansprechende motivierende Aufgabe
2.    in der Lerngruppe wird der Plan entwickelt
3.    eigene Ziele werden aufgestellt und praktisch umgesetzt
4.    Phase der Evaluation
5.    Lösungs- und Verbesserungsmöglichkeiten