Yámana

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Projektphase 1: Entwicklung von Unterrichtsmaterial zur historischen Lebensweise der Yámana (Yagan)


Didaktische Begründung der Relevanz

Das Thema "Indianer" ist ein beliebtes Sachunterrichtsthema. Kinder finden dieses Thema interessant, es wird allerdings voll von Stereotypen und Vorurteilen rezipiert.
Kinder glauben, Indianer seien mit buntem Federkopfschmuck geschmückt und folgen einem Häuptling, sie reiten über Land und wohnen in Zelten.
Die Yámana sind ein indigenes Volk, das diesen Stereotypen widerspricht, sie sind eine Gesellschaft von Gleichen, in denen die einzelnen Familienverbände als Wassernomaden von Insel zu Insel, von Bucht zu Bucht auf Nahrungssuche gemeinsam ziehen und in Kanus das Feuer von Lagerstätte zu Lagerstätte transportieren. Die Yámana, die im Süden Feuerlands bis zu ihrer fast vollständigen Ausrottung lebten, haben sich unbekleidet mit Seehundfett eingerieben vor den vielen Regengüssen in diesem kalten Klima geschützt.
Gerade weil diese Kultur in so vielen Punkten den Stereotypen des kindlichen Indianerglaubens widerspricht, eignet sie sich für eine differenzierte interkulturell orientierte Didaktik zur Thematik.
Die Lebensweise der Yámana weicht in vielen Punkten von der in unserer Kultur ab und doch ist in den Mythen zu erkennen, dass die Yámana in einigen Aspekten vergleichbare Gefühle und Probleme haben etwa mit Menschen die überheblich sind oder geizig oder in Fällen von Eifersucht. Gerade die Besonderheit der Lebensweise schärft den Blick auf die gesellschaftliche Bedingtheit menschlicher Existenz und kann so als Grundlage für die Reflexion der eigenen Situation dienen. Insofern ist diese Kultur gerade wegen der Kontraste gut geeignet, Über die eigene Gesellschaft und Kultur nachzudenken.
Auch für wissenschaftliches Arbeiten bietet dieses Thema interessante Besonderheiten, einerseits ist die wesentliche klassische Forschungsliteratur in deutscher Sprache. Aber was noch wichtiger ist: es gibt über die Yámana gegensätzliche Beschreibungen, einerseits von Darwin eine sehr negative fast verächtliche Darstellung, andererseits von Martin Gusinde ausführliche fast verherrlichende Beschreibungen von Kultur, Gesellschaft, Alltagsleben und technischen Errungenschaften. Die vielen von Gusinde gesammelten Mythen der Yámana ermöglichen Einblicke in die Emotionen und Probleme einer Kultur, die bereits ausgestorben ist, so dass Zeitzeugen nicht mehr befragt werden können.

Erste Ergebnisse:
Kinderbuch: Usiapisyu. Ein Yámana-Junge erzählt.
online verfügbar unter:
http://www.weltinderschule.uni-bremen.de/mat_1_10/EW101_02.pdf

Unterrichtsmaterial:
Kaiser, Astrid: Ohne Friedenspfeife und Federschmuck. ("Indianer" im Sachunterricht. Die Yámana als Alternativthema)
online verfügbar unter:
http://www.weltinderschule.uni-bremen.de/mat_1_10/EW101_01.rtf


2. Phase: Dokumentation der gegenwärtigen Lebensweise der Kinder aus Yámanafamilien


Die unterrichtliche Arbeit in der Grundschule im Bereich entwicklungspolitischer Bildung verlangt, dass Kinder sich mit konkreten Personen identifizieren können. Um neue Stereotypien zu vermeiden, ist es wichtig, ein realistisches Bild von den Menschen und ihrer Lebensweise zu zeichnen. Als Ergänzung und Weiterführung der historischen Unterrichtsmaterialien, die sich aus der Literatur entwickeln lassen, sollen für die zweiten Unterrichtsschwerpunkte die Nachkommen der Yámana, die heute überwiegend auf der Isla Navarino in Ukika - unweit des Zentralortes Puerto Williams bzw. direkt in Puerto Williams - wohnen, näher befragt, beobachtet und fotografiert werden, um daraus realistisches Unterrichtsmaterial zu entwickeln.
Um ein differenziertes Bild dieser ca. 15 Kinder zu bekommen, sollen sie ebenso wie im Forschungsprojekt "Zukunftsbilder von Kindern der Welt"   aufgefordert werden, entsprechende Bilder zu malen.
Diese Erhebung fand im Colegio des Ortes für alle Kinder gleichzeitig statt.
Ebenfalls wurden in den 5. und 6. Klassen der Schule wie auch in den jüngeren Grundschulklassen Erhebungen zu den Vorstellungen der Kinder, wie eine Landkarte der Welt aussieht, durchgeführt. Diese Untersuchung knüpft an die Ergebnisse von Schmeinck und Albers an (vgl. BA Arbeit Albers).

Weiterhin wurden von allen Kindern des Orts Fotos in Alltagssituationen gemacht, um entsprechend dem Projekt "Fotoanalytische Vergleichsuntersuchung zur Persistenz anthropologischer Handlungsmuster"  zu überprüfen, ob auch Kinder dieser Kultur ebenso wie die in drei anderen Kontinenten im Wesentlichen in den anthropologischen Handlungsmustern identisch sind.
Diese Forschungsaufgaben dienen dazu, diese Kinder im Vergleich zu Kindern in Europa differenziert zu sehen, um realistische Unterrichtskonzepte zu entwickeln.
Als weiteres Projekt wurde eine Untersuchung zur räumlichen Orientierung von allen 5-12 jährigen Kindern aus Yaganfamilien aus Puerto Williams und einer Kontrollgruppe aus derselben Schule in Puerto Williams gleichen Alters, gleichen schulischen Leistungsstandes und gleichen Geschlechts gestartet. Methodisch wurde dabei die Foto-Voice-Methode angewendet.
Die Impulssituation für beide Gruppen war gleich, sie wurden gebeten, 10 Fotos für didaktische Materialien in Deutschland aufzunehmen. Der Weg war ihnen überlassen. Sie wurden nur begleitet und konnten die 10 für sie wichtigsten Fotomotive auswählen.


Durchführungszeit: Wintersemester 2011/12

Kooperation mit Universidad Autonoma de Entre Rios, Argentina, Prof. Juan José Rossi, Concepcion del Uruguay


Kooperationsförderung durch BMBF




Ergebnisse:

Kaiser, Astrid (2012): Praxisbuch handelnder Sachunterricht. 13. veränderte Auflage. Baltmannsweiler: Schneider Verlag (darin das Kapitel "Das Thema 'Indianer' im Sachunterricht - neu betrachtet am Beispiel der Yagan", S.43-57)

Bericht in IRO-Newsletter 01/2012 des International Relations Office (IRO) der Universität Oldenburg
http://www.iro.uni-oldenburg.de/download/Newsletter/IRO-Newsetter_Januar_2012_druck.pdf

 
Kaiser, Astrid (2013): "Indianer" im Sachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider Verlag 



3. Phase empirisches Teilprojekt: Kinderinterviews aller Yágankinder im Raum Puerto Williams

Photovoice-Interviewstudie zum räumlichen Orientierungsspektrum und zu Erfahrungsschwerpunkten von Kindern der Yágan im Versuchgruppen-Kontrollgruppendesign

Ergebnis:
Kaiser, Astrid:

Erfahrungswelten verschiedener Kinder auf der Isla Navarino

Eingereicht 2014 für "Eine Welt in der Schule"

 

Kaiser, Astrid (2017): Relikte der Yámana-Kultur? Vergleichende Studie von Kindern aus Familien der Yámana auf der Isla Navarino. In Anthropos, Bd. 112, H.2, S. 487-497