Projekt Soziale Integration: Aufgabenstellung und Zielsetzung

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Aufgabenstellung

Im Schulversuch "Soziale Integration in einer jungen- und mädchengerechten Grundschule" soll im allgemeinen Unterricht und unter Rahmenbedingungen der Regelschule ein pädagogisches Programm zur sozialen Kompetenzförderung sowie zum Abbau entwicklungshemmender Bedingungen beider Geschlechter erprobt werden. Dieses Programm wird von den Schulen in Fortbildungsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Begleitung geplant und konkretisiert.

Dabei geht es vor allem um zwei Fähigkeitsbereiche:

Für Mädchen und das weibliche Geschlecht insgesamt wird der Bereich der Fähigkeiten, die eigenen Interessen und Vorstellungen öffentlich einzubringen und durchzusetzen, wenig gefördert. Die gesellschaftliche Geschlechterhierarchie führt auch zu einer geringeren Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten gerade im naturwissenschaftlich/technischen Bereich.

Jungen wiederum haben wenig Chancen, bestimmte soziale Kompetenzen zu erwerben. Sie lernen nicht genug, mit eigener Schwäche umzugehen, sich empathisch in andere Menschen einzufühlen, die eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzunehmen, die Meinung anderer gelten zu lassen und die eigenen Gefühle zu zeigen.

Gerade die stereotype Polarisierung behindert Mädchen und Jungen, die gesellschaftlich definierten Grenzen an Denk- und Verhaltensweisen zu überschreiten. Für beide Geschlechter heißt dies:

Soziale Kompetenz der Kinder liegt dann vor, wenn trotz verschiedener Meinungen, Lernvoraussetzungen, biographischer Erfahrungen und Fähigkeiten in einer Schulklasse ein tolerantes Klima vorherrscht, bei dem Meinungsverschiedenheiten thematisiert, aber Minderheiten nicht diskriminiert werden. Die jeweiligen Kommunikationsstrategien der Kinder sind geeignet, beim Auftreten von Konflikten den sozialen Zusammenhalt der Gruppe zu festigen bzw. aufrechtzuerhalten.

Das Lernverhalten ist kooperativ am gemeinsamen Lernergebnis orientiert und nicht am konkurrenten übertrumpfen der anderen Kinder. Dazu gehört auch, dass alle dazu beitragen, dass eine ruhige, produktive Arbeitsatmosphäre vorherrscht.

Das Verhältnis zu Inhalten und Sachen im Erfahrungsbereich der Kinder soll durch Sorgsamkeit und Schonung und nicht durch Zerstörung oder Beherrschung gekennzeichnet sein. Naturwissenschaftlich-technische Erkenntnisse und Wissensbestandteile werden auf die sozialen Zusammenhänge bezogen erworben und werden nicht als Selbstzweck verstanden.

Ein weiteres Merkmal sozialer Kompenz liegt in der Art und Weise, in der Konflikte ausgetragen werden, nämlich nicht durch Gewalt, sondern durch gemeinsame kommunikative Konfliktlösungsstrategien. Eine Voraussetzung derartigen Verhaltens ist eine offene Umgangsweise miteinander und die Fähigkeit zur Selbstkritik bei allen Kindern

Soziale Kompetenz hängt eng mit emotionalem "Fingerspitzengefühl", Empathie, zusammen. In einer von sozialer Kompetenz geprägten Klasse können sich die Kinder besser in die anderen Personen hineinversetzen. Andere Personen nicht zu verletzen, ist ein wichtiges Verhaltensergebnis.

Zur sozialen Kompetenz gehört es gleichermaßen, Hilfe zu geben und anzunehmen, statt sich selbst isoliert in den Vordergrund zu stellen, Stärke vorzugeben oder konkurrent den Lernmißerfolg der anderen herbeizuwünschen.

Ziele und Aufgaben im Versuchsplan: Unterrichtliche Maßnahmen in den Versuchsklassen:

Schematisch betrachtet besteht der Versuchsaufbau aus den folgenden Schritten:

Obligatorisch für alle Versuchsschulen:

  1. Ziel geschlechterbewußter Pädagogik: soziale Kompetenzförderung
  2. Mädchenstunden und Jungenstunden ab 1. Schuljahr
  3. einzelne Vorhaben für einen kommunikativen, soziale Kompetenzen fürdernden Sachunterricht, der naturwissenschaftliche und soziale Inhalte integriert
  4. Supervision
  5. Fortbildung
  6. Elterngesprächskreise/ Elternseminare

Fortbildungs- und Supervisionsmaßnahmen im Versuchsplan

Ein derartiger Schulversuch ist ohne intensive Fortbildung der Lehrkräfte, ohne ständige Schulung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeit und ohne kritische Rückmeldung des eigenen - zum Teil unterbewußt gesteuerten und durch gesellschaftliche Handlungsmuster verstärkten - Verhaltens in kollegial-akzeptierender Ebene nicht denkbar. Denn die Entstereotypisierung des Verhaltens der Kinder hängt eng mit der Entwicklung ihrer Lehrkräfte zusammen.

Eine der wichtigsten Aufgaben in diesem Zusammenhang ist die Reflexion des eigenen Verhaltens im schulischen Alltag.

Methoden der Wissenschaftlichen Begleitung

Für die Wissenschaftliche Begleitung werden folgende Maßnahmen eingesetzt:

Außerdem werden die von den Lehrkräften ausgewählten unterrichtlichen Methoden der Lernzielüberprüfung (z.B. Freie Texte, Bilder der Kinder, ausgewählte Fotos von typischen Sozialsituationen und Deutungen der Kinder im Verlauf der drei Jahre) möglichen Auswertungen zugänglich gemacht.