Projekt Soziale Integration: Ergebnisse

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Abschlussfeier des Schulversuchs am 7.7.2000

Astrid Kaiser übergibt der Kultusministerin des Landes Niedersachsen, Renate Jürgens-Pieper, einen Katalog mädchen- und jungengerechter Sparmaßnahmen (später publiziert im Praxisbuch Mädchen- und Jungenstunden).

Kurzbericht: Schulversuch erfolgreich beendet.

Am 7.7.2000 fand an der Grundschule Friedrichsfehn die große Abschlussfeier zum niedersächsischen Schulversuch "Soziale Integration in einer jungen- und mädchengerechten Grundschule" unter großer Teilnahme statt, so waren mehrere VertreterInnen des Kultusministeriums, der niedersächsischen Staatskanzlei, der Landtagsabgeordnete Wulf, der Bundestagsabgeordnete Kossendey, Herr Kaiser als Leiter der Schulabteilung von der Bezirksregierung Weser-Ems, die für die Versuchsschulen verantwortlichen Schulamtsdirektoren und als Vertreter der vier Schulträgergemeinden Gemeindedirektoren sowie der Oldenburger Leiter des Schulverwaltungsamtes Herr Setje-Eilers anwesend - um nur einige der anwesenden Ehrengäste zu benennen. Die Hauptrede hielt die niedersächsische Kultusministerin Renate Juergens-Pieper. Sie betonte die Bedeutung des Schulversuchs für die Entwicklung von Pädagogik und wünschte sich - zur großen Freude des für ein Grußwort anwesenden Universitätspräsidenten Prof. Dr. S. Grubitzsch eine Fortsetzung der begonnenen Forschung für eine mädchen- und jungengerechte Grundschule.

Die Ministerin hat im an die Festveranstaltung anschließenden Nachmittag der offenen Türen für alle die bunte Präsentation der Versuchsschulen und der Kooperationsschule aus Sachsen-Anhalt sehr aufmerksam mehr als zwei Stunden lang angeschaut, sich Kostproben der Jungen-Milchbar, der Jungen-Waffelbäckerei und des Jungencafes schmecken lassen und hat - selbst früher Lehrerin für Naturwissenschaften - sehr interessiert mit den Kindern bei ihren vielen aufgebauten Versuchen zur Thematik Wasser und Umweltschutz gesprochen, sie persönlich auf ihre Erkenntnisse überprüft. Dabei konnte sie sich davon überzeugen, dass gerade die Mädchen durch die intensive Projektarbeit hohes Interesse und hohe Kompetenz im naturwissenschaftlichen Bereich und beim Umgang mit den Computern aufweisen. Auch die vielen Aufführungen der vier niedersächsischen Grundschulen, der Grundschule Edewechterdamm, Friedrichsfehn, Huntlosen und Röwekampschule in Oldenburg, fanden viel Applaus, seien es Tanzmedley, Pantomimen, Vorführungen im Snoozle-Raum, Jonglagen, Mädchentanzgruppen, Mädchensinggruppen, Theateraufführungen, Videofilme aus den Versuchsjahren und Präsentationen der Computerarbeit.

Die Ministerin konnte sich am Rande auch hautnah vom großen Engagement der Schulen überzeugen. Als am Nachmittag ein NDR-Fernsehteam für eine Sendung die Präsentation von Mädchen- und Jungenstunden wünschte, machten sich Lehrkräfte sofort auf die Suche nach Kindern und führten beispielhaft vor, wie Mädchen- und Jungenstunden in der Praxis durchgeführt wurden.

Der Schulversuch Soziale Integration in einer jungen- und mädchengerechten Grundschule" wurde an vier niedersächsischen Grundschulen durchgeführt, die auf der Abschlussfeier von der Leiterin des Projektes, Prof. Dr. Astrid Kaiser, mit zum jeweiligen Schulkonzept passenden Blumensträußen bedacht wurden.

Weil Wissenschaft nur Modelle anbieten kann, aber die Schule wird von unten aufgebaut und bewegt wird, wurde von vornherein nicht das "Durchführen" von Unterrichtsvorlagen, sondern ein Handlungsforschungskonzept vereinbart. So war der Schulversuch von Anfang an so angelegt, dass die Schulen selbst ihre Entwicklung in die Hand genommen haben. Es gab nur wenige obligatorische Bausteine für alle.

Obligatorisch für alle Versuchsschulen:

1 Ziel geschlechterbewusster Pädagogik: soziale Kompetenzförderung
2 Mädchenkonferenzen und Jungenkonferenzen ab 1. Schuljahr
3 Einzelne Vorhaben für einen kommunikativen, soziale Kompetenzen fördernden Sachunterricht, der naturwissenschaftliche und soziale Inhalte integriert
4 Elterngesprächskreise/Elternseminare

5 Fortbildung

6 Supervision

Abb. 1

Die obligatorischen Bausteine wurden allerdings von jeder Schule nach ihren eigenen Möglichkeiten ausgestaltet. Die Profile der Schulen sahen dementsprechend nach den vier Versuchsjahren sehr verschieden aus:

Schule 1: praxisnahe Entfaltung emotionalen Lernens und Weiterentwicklung des kommunikativen Sachunterrichts in einer schuleigenen Lernwerkstatt

Schule 2 hat neben dem Erstellen von Sachunterrichtskisten besondere Initiativen bei der Computerarbeit entwickelt. Hier werden ab 1. Schuljahr zunächst getrennt nach Jungen und Mädchengruppen intensive Einführungen in die Computernutzung gegeben.

Schule 3: wöchentliches "Projekteband" mit verschiedenen koedukativen und getrennten Wahlangeboten

Schule 4: altersgemischtes Lernen, Theaterpädagogik und handlungsorientierter Sachunterricht

2. Ergebnisse zum teilweise getrennten Unterricht

Neben dieser Verschiedenheiten in den Schulprogrammen gab es aber auch im Schulversuch klare Strukturen. Einer der zentralen Versuchsschwerpunkte an allen Schulen war die Einführung von Mädchen und Jungenstunden. Die Leiterin des Schulversuchs, Professorin Dr. Astrid Kaiser vom Fachbereich Pädagogik betonte gerade in Hinblick auf die zahlreichen anwesenden Pressevertreter, dass es sich bei dieser Maßnahme nur um eine von vielen des Schulversuchs handelt, dass im Schulversuch die koedukative Schule überhaupt nicht in Frage gestellt wurde. Im Gegenteil: In einer Welt der Veränderung ist die Gemeinsamkeit des Vielfältigen von früh auf unbedingt erforderlich. Dennoch darf die kulturelle Eigenheit der Integrierten nicht übersehen werden, denn Integration ist lebendiger, wenn die verschiedenen Seiten nicht inhaltsleer sind. Wir wollten also Mädchen und Jungen in den getrennten Stunden die Gelegenheit geben, an den eigenen Gefühlen und Erfahrungen anzuknüpfen und ihnen auch besondere Lernanregungen anbieten. Koedukation sollte also nicht infrage gestellt werden, sondern geradezu erst ermöglicht werden, denn vielfach findet an Schulen nicht Koedukation, sondern Koinstruktion statt. Koedukation heißt aber, dass Mädchen und Jungen nicht nur nebeneinander in einem Raum beim Lernen sitzen, sondern auch zusammen erzogen werden. Dazu gehört, dass beide Geschlechter auch dort, wo und wie sie sind, gezielt "abgeholt" werden.

Die Ergebnisse des Schulversuchs sprechen für sich:

Für Mädchen- und Jungenstunden gab es nach Abschluss unserer Kinderbefragungen 97,6 % gute und sehr gute Bewertungen, wobei als sehr gut auch "oberaffengeil" und "supercool" gewertet wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder beider Geschlechter etwas variiert, aber in der Richtung einhellig diese Stunden beurteilen:

Abb. 2 Absolute Zahl der Antworten bei Mädchen und Jungen

Das Ergebnis ist deutlich: Das Konzept der Mädchen- und Jungenstunden ist schon im Grundschulalter praktikabel und stößt auf positive Resonanz. Das zeigen nicht nur die vielen guten Ideen aus den Projekt-Schulen, sondern auch die begeisterten Kommentare der Kinder. Und nur wenn ein Mensch gern lernt, lernt er viel.

Ergebnisse zum kommunikativen Sachunterricht

Der Schulversuch hatte einen weiteren Schwerpunkt in allen Versuchsschulen, nämlich den kommunikativen Sachunterricht. Damit war gemeint, dass der Sachunterricht handlungsorientiert mit verschiedenen Materialien und Versuchsanregungen aufgebaut ist, damit Kinder über ihre verschiedenen Ergebnisse Anlass zum Austausch haben.

Sinn dieser kreativen und mit Alltagsmaterial aufgebauten Lernstationen in der Geschlechterdimension ist es zum ersten, für Mädchen den Zugang zu naturwissenschaftlich-technischen Problemen zu eröffnen.

Der Kommunikative Sachunterricht sollte zum zweiten auch für Jungen besondere Anregungen bieten, nämlich durch die vielfältigen Versuche, das Stationen-Lernen und die Varianten, die gerade bei Versuchen mit wenig perfektionierten Alltagsmaterialien entstehen, sich im Gespräch miteinander auszutauschen und zuzuhören. Die Hypothese dahinter war, dass bei sachlich erforderlichen Gesprächen das Zuhören-Lernen erleichtert wird. Umgekehrt verlangt das Durchführen der zumeist als Gruppenversuch angelegten Lernstationen Kooperation und Kommunikation. Darin unterscheidet sich das Konzept wesentlich vom auf Individualisierung angelegten Arbeitsblattunterricht.

Die Ergebnisse des Schulversuchs lassen sich thesenartig formulieren:

Mittlerweile liegt für alle Schulen im Lande ein vom Niedersächsischen Landesinstitut herausgegebener Praxisband (Beispiele für die Arbeit in einer mädchen- und jungengerechten Grundschule. NLI Berichte Band 65) vor, in dem die didaktischen Modelle des Schulversuchs für andere Schulen zur Umsetzung angeboten werden. Die Ministerin unterstützt damit, dass mädchen- und jungengerechte Grundschule nicht nur im Oldenburger Raum, sondern überall Schule machen soll.

Publikationen zum Schulversuch:



 

 

Vorträge