Aussiedlerkinder im Sachunterricht

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Seminarankündigung:

In dieser Veranstaltung werden Probleme und Bedingungen interkulturellen Sachunterrichts am Beispiel von Aussiedlerkindern entwickelt.

Aussiedlerkinder aus der ehemaligen Sowjetunion haben vielfältige kulturelle Brüche individuell zu verkraften. Sie bringen aber auch vielfältige produktive Sacherfahrungen mit, die den Sachunterricht lebendiger zu gestalten helfen, wenn sie den Lehrkräften als Sozialisationshintergrund dieser Kinder bekannt sind.

In diesem Seminar sollen zunächst die soziokulturellen Herkunftsbedingungen von Aussiedlerkindern näher untersucht werden.

Aus der Analyse besonderer Sozialisationsbedingungen von Aussiedlerkindern sollen didaktische Konsequenzen für den Sachunterricht entwickelt werden, die diesen Kindern wie auch den anderen Kindern einer Grundschulklasse eine anregungsreiche, identitätsfördernde Entwicklung bieten. Abschließend soll exemplarisch ein konkretes Sachunterrichtsprojekt für eine Klasse mit Aussiedlerkindern gemeinsam geplant werden.

Für dieses Seminar ist auch eine Exkursion zu einem Ort mit hohem Anteil an Aussiedlerkindern geplant (Cloppenburg, Besuch der sozialen Einrichtungen der Diakonie, Gespräche mit Aussiedlern)

Aktuell

Beginn der Exkursion um 10.30 in Cloppenburg in der Aussiedlerberatungsstelle der Diakonie

Friesoyther Str. 9

Bei www.lesa21.de unter Lernen/Schule/Geschichten steht die Geschichte "Nataschas 6" bitte zur Vorbereitung der nächsten Sitzung lesen!

Literaturgrundlage:

 Kaiser, Astrid: aussiedeln, ansiedeln, umsiedeln, einsiedeln. Heinsberg 1989
Bahlmann, Mechthild: Aussiedlerkinder � ein (sonder)pädagogisches Problem? Münster 2000

Malchow, Barbara u.a.: Die fremden Deutschen. Aussiedler in der Bundesrepublik. Reinbek 1990
Glumpler, Edith/ Sandfuchs, Uwe u.a.: Mit Aussiedlerkindern lernen. Braunschweig: Westermann-Verlag 1992

Literatur zu historischen, politischen und sozialen Aspekten der Aussiedlerfrage:

Althammer, Walter/Kossolapow, Line (Hg.): Aussiedlerforschung. Köln - Wien 1992
Fleischhauer, Ingeborg: Die Deutschen im Zarenreich. Stuttgart (DVA) 1986
Kosubek, Siegfried: "Asylanten" und Aussiedler. Handbuch für Helfer. Weinheim 1992
Lantermann, Ernst-Dieter u.a. (Hg.): Aussiedler in Deutschland. . Leverkusen: Leske + Budrich 1998
Otto, Karl A.: Westwärts - heimwärts? Bielefeld 1989
Pinkus, Benjamin /Ingeborg Fleischhauer: Die Deutschen in der Sowjetunion. Baden Baden 1987
Malchow, Barbara u.a.: Die fremden Deutschen. Aussiedler in der Bundesrepublik. Reinbek 1990
Szekely, Gisela: Lasst sie selber sprechen. Berichte russlanddeutscher Aussiedler. Frankfurt � Berlin 1990

 

Unterrichtsbeispiele:


Astrid Kaiser: Armreifenhandel in der Grundschule - ein Projekt zur Integration von Aussiedlerkindern. In: Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe 19. Jg. 1991, H. 9, 415-420
Astrid Kaiser: Geschichtsbuch für Aussiedlerkinder. In: päd. extra & demokratische erziehung. 2. Jg. 1989, Heft 10, 11-15
Astrid Kaiser:  Federn wärmen, Federn fliegen, Federn schmücken - eine Projektwoche mit Aussiedlerkindern im ersten Schuljahr. In: Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe 18. Jg. 1990, Heft 4, 162-176
Astrid Kaiser: Armreifenhandel in der Grundschule - ein Projekt zur Integration von Aussiedlerkindern. In: Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe 19. Jg. 1991, H. 9, 415-420
Astrid Kaiser: Snegurotschka - das Schneemädchen als Weihnachtsritual. In: Grundschule 23. Jg. 1991, H. 12, 25-27
Astrid Kaiser:  Bücher für Aussiedlerkinder im Anfangsunterricht. In: Glumpler, Edith/ Sandfuchs, Uwe u.a.: Mit Aussiedlerkindern lernen. Westermann-Verlag Braunschweig 1992, 100-105
Astrid Kaiser: Statt Sendung mit der Maus - viele Stunden mit Wüstenrennmäusen für Aussiedlerkinder. In: Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe 22. Jg. 1994, H. 5, 228-231
Astrid Kaiser:  Pädagogische Probleme der Geschlechterdifferenz bei Aussiedlerkindern. In: Luca, Renate u.a. (Hg.): Frauen bilden - Zukunft planen. Bielefeld 1992, 178-184
Andrea Carstens: Kinderrechte aus der Sicht von Aussiedlerkindern. In: Carle, Ursula/Kaiser, Astrid (Hg.): Rechte der Kinder. Baltmannsweiler 1998, 146-149
 
 

Seminarplan Sommersemester 2003

28.4. Planung des Semesters, Literatur, Verteilung der Vorbereitungsaufgaben, Interpretation von Fotos aus der Lebenswelt von Aussiedlerkindern 
5.5. Sozialisationstheoretische Interpretation von Bildern aus der Herkunftsregion von
           Aussiedlerkindern Diavortrag, Diskussion, Elfchen als Ausdruck der dabei gewonnenen Eindrücke schreiben (s.u.)
12.5. �Im Land der Schokolade und Bananen� �Von Russland träum� ich nicht auf deutsch� � Interpretation von subjektiven Lernvoraussetzungen bei Aussiedlerkindern Gruppenarbeit (Günther, Weber-Ruh)
19.5. zur Relevanz sachunterrichtsdidaktischer Konzeptionen für die Arbeit mit Aussiedlerkindern, Film: zur Praxis sachunterrichtlichen Schulanfangs mit Ausssiedlerkindern, Teil 1 Gruppenvorbereitung oder Gruppenarbeit Projektor bereitstellen, Film und Diskussion
26.5. implizite sachunterrichtsdidaktische Konzepte im offenen Unterricht mit  Aussiedlerkindern Gabi Ruperti(Tagebuchanalyse) Gruppenvorbereitung und Diskussion
2.6. Analyse ausgewählter Unterrichtsprojekte mit Aussiedlerkindern: �Geschichtsbuch�- biographisches Lernen Gruppenvorbereitung und Diskussion
16.6. Maulwurf Grabowski: Szenisches Spiel mit Aussiedlerkindern
Geschichten, Bücher � Kinderliteratur im Sachunterricht Gruppenvorbereitung und Diskussion (Julia Hübner, Holger Arnold)
23.6. Exkursion nach Cloppenburg
Feste, Feiern, Rituale mit Aussiedlerkindern �Snegurotschka� Gruppenvorbereitung und Diskussion
30.6. Analyse ausgewählter Unterrichtsprojekte mit Aussiedlerkindern: �Klassentiere� � lebensnaher Sachunterricht Gruppenvorbereitung und Diskussion (Annika Riemer und  Torsten Erkens)
7.7. Analyse ausgewählte r Unterrichtsprojekte mit Aussiedlerkindern: �Armreifenprojekt� Projektunterricht
 Gruppenvorbereitung und Diskussion (Christiane Peters)
14.7. Planung eines eigenen Unterrichtsbeispiels für die Arbeit mit Aussiedlerkindern Gemeinsame Arbeit
 
 

Seminardokumentation

Elfchen, um die Lage der Aussiedlerkinder auszudrücken
Diese Gedichte sind �Elfchen�
Sie wurden von Studierenden aus Oldenburg zum Thema �Aussiedlerkinder� geschrieben

fremd
verstehe nichts
kann nichts erzählen
ich fühle mich stumm
allein

Winter
schönes Schneemädchen
wir alle lachen
Onkel ist Väterchen Frost
fröhlich

russisch
schleicht herein
in deutsche Sprache
ich bin nicht ich
Mama!

Dschambul
buntes Treiben
ein reicher Bazar
wir schauen und lachen
früher

Bruder
meine Brüder
ich hatte fünf
ich war nicht allein
schade

niedlich
mein Häschen
russisch ist lieb
ich spreche nicht mehr
wohin?

 
Oma
mein Omachen
du erzählst schön
ich hab dich lieb
Deutschland

Heimat
weites Land
Haus mit Garten
kann Deutschland besser sein?
hoffentlich

Weg
unser Haus
meine liebste Wiese
Deutschland ist unser Ziel
warum?

glitzernd
unser Zuhause
mit blauem Zaun
Mama Papa Bruder Schwester
glücklich

Schule
matschiger Weg
grüne saftige Wiese
meine Freunde und ich
rennen

Weite
unser Dorf
Kühe Schweine Hühner
es ist schön hier
Träume

Heimat
weinendes Gesicht
im gelobten Land
keine Berge ich dort
fand
Armut?
Scheinbar nicht!
Glitzernde Häuser erstrahlen!
Warum verlassen?
Bleibt!

Hier.
Bin ich
Weg geh ich
Was will ich dort
Bleib

Fernweh!
Soll ich?
Warum geh ich?
Was will mein Herz?
Heimweh
Fernweh!
Soll ich?
Warum geh ich?
Was will mein Herz?
Sehnsucht
Heimat
Endlose Weite
Aufbruch nach Deutschland
Träume sind wie Seifenblasen zerplatzt
Sehnsucht

spielen
mit Geflügelwirbelknochen
das macht Spaß.
Wir brauchen keine Murmeln
Oder?

Haus
ist blau
wie Berge auch
wo kommt das her?
blau?

Mensch
bisschen vertraut
aber auch nicht
sind die glücklich jetzt?...
früher?
Russland
Ist Heimat
Deutschland wahrscheinlich auch.
Wo ist richtiges zu Hause?
Jetzt

Herz
alles vertraut
aber auch fremd
sind sie oder wir?..
Freund

Enttäuschung
Wieso nur?
Mir fehlt alles
Gibt es einen Weg
Zurück

Hoffnung
wird erweckt
auf neue Heimat
dann im Nichts zerschlagen
Enttäuschung

Gestorben
Leeres Zimmer
Foto des Toten
Ein Zimmer zum Trauern
Trauerzimmer

Teppich
traditionell-orientalisch
nach Bildvorlagen geknüpft
an die Wand gehängt
Kultur

Wohnqualität
gemütliches Eigenheim
Liebe zum Detail
dann hier in Deutschland
Baracke
 
 
 
 
Aussiedlerkinder im Sachunterricht               
Seminarsitzung vom 12.5.2003

�Im Land der Schokolade und Bananen�

1. Allgemeines
Das Buch beschreibt in 49 kleinen Kapiteln das Leben einer vierköpfigen Familie aus Rumänien. Die Geschichte beginnt mit dem schmerzlichen Abschiednehmen von den geliebten Großeltern und endet im staatlichen Übergangswohnheim von F.. Die Sprache ist einfach gehalten, die Sätze kurz und für Kinder im Grundschul-
Alter leicht verständlich. Die einzelnen Kapitel sind anschaulich und übersichtlich in mehrere Abschnitte eingeteilt. Am Ende eines Kapitels finden wir häufig nach einem Satz einen neuen Zeilenanfang. Das geschieht immer dann, wenn die Gefühle der
einzelnen Personen nach einem besonders eindrücklichen Erlebnis noch einmal zum Ausdruck gebracht werden (z.B. im Kapitel �Die Grenze�, �Bananen�, �Beim Spazierengehen� s.u. so zitiert).
 Der Autorin ist es gelungen, einen vielschichtigen Einblick zu geben in das Leben einer Familie, die sich aufgemacht hat, in einem �fremden� Land Fuß zu fassen und eine neue Heimat zu finden. Sie konfrontiert die LeserInnen mit den ver-
schiedendsten alltäglichen Situationen und schildert die Gedanken, Gefühle und Ein-
stellungen der einzelnen Situationen so, dass man beim Lesen mitfühlt und mitdenkt.
Im Nachwort wird ein kurzer und informativer Abriss über den historischen Kontext gegeben.
Bevor die eigentliche Geschichte beginnt, richtet sich die Autorin persönlich an ihre kleinen LeserInnen und macht deutlich, dass ihre Geschichte für die Geschichte vieler Spätaussiedler steht.
Zu einigen Kapiteln gibt es schwarz-weiß gezeichnete Bilder, die sich hervorragend für eine Bildbetrachtung zum Einstieg oder zur Vertiefung eignen (z.B. S.5, 21,36,
45).

2. Inhaltliche Darstellung einiger Kapitel
Abschied
�Ich verstehe nicht, warum wir wegfahren, sagt Ingrid. Es geht uns hier doch gut. Wir haben alles, was wir brauchen.� (S.7) Dass die Großmutter alt ist und Angst hat, dass sie krank wird und stirbt und ihre Familie sie nicht besuchen kann, macht nicht nur Ingrid unglücklich. �Warum müssen wir dann nach Deutschland fahren?� (S.7)
�Als sie sich von den Großeltern verabschieden, weinen alle. Großmutters Körper wird von Weinkrämpfen geschüttelt. Sie hält Ingrid fest an sich gedrückt. Ingrid zittert in Großmutters Armen, und eine Stunde später weint sie noch immer, und niemand und nichts kann sie trösten. Ingrid weint so lange, bis der Schlaf alles auslöscht.� (S.7f)
Die Grenze
Die Grenze ist ein Bahnhof, es gibt nicht viel zu sehen. Alle müssen im Abteil bleiben. Aber �...wir brauchen keine Angst zu haben, sagt die Mutter�. (S:9) Passkontrolle, Durchsuchen des Abteils nach versteckten Flüchtlingen, Zöllner durchsuchen das Gepäck. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung.
 �Wir sind in Ungarn, sagt die Mutter.
   Freust du dich? fragt Ingrid.
   Ich weiß nicht.
   An was denkst du?
   An die Grenze, die uns von deinen Großeltern trennt.
Ein Jahr lang dürfen wir nicht zu Besuch.
   Warum nicht? fragt Ingrid.
   Weil es ein Gesetz gibt, dass Aussiedler ein Jahr lang
nicht mehr nach Hause dürfen.
   Sind wir Aussiedler?
   Ja, seitdem wir über die Grenze sind, sind wir Aussiedler.� (S.10)
Bananen
Die Familie kommt in das Durchgangslager von Nürnberg. Beim Bummel durch die historische Altstadt sind die Eltern begeistert vom Anblick der alten Häuserfronten, die Kinder gelangweilt. Sie interessieren sich nur für Bananen. �Deutschland ist das Land der Bananen� (S.11) Der Vater hat 1,75 DM. Wird das reichen für ein paar Bananen? Im Kaufhaus Reizüberflutung. Waren, die sie noch nie gesehen haben und eine Vielfalt von Lebensmitteln. Schließlich liegen vier Bananen für 1,74 DM im Einkaufswagen.
   �Ingrid ist es übel von den vielen Gerüchen. Waschmittel- und
   Lebensmittelgerüche. Sie braucht frische Luft. ...
   Ich habe mich schrecklich gefühlt, sagt die Mutter.
   Ich auch, sagt der Vater.
   Warum? fragt Ingrid.� (S.12)
Beim Sprachtest
Vom Durchgangslager von Nürnberg in das Durchgangslager von Rastatt. Ein Sprachtest ist Pflicht. �Komisch, sagt Uwe. In Rumänien hat man sich gewundert, dass ich gut Rumänisch kann. Hier wundert man sich, dass ich gut Deutsch kann.� (S.13) Der Beamte wirft einen Blick in Ingrids Fibel, die sie mitgebracht hat und sieht auf der ersten Seite die rumänische Staatshymne. �Die müssen alle Kinder auswendig können. In Rumänien müssen die Schüler jeden Tag am Anfang und am Ende des Unterrichts die Nationalhymne singen. Der Beamte sagt, das wäre sehr gut so, und auch in der Bundesrepublik sollte das Deutschlandlied vor und nach jedem Unterricht gesungen werden. Die Mutter findet das Hymne-Singen nicht gut. Sie ist Lehrerin. Ihre Schüler mussten die Hymne nur dann singen, wenn sie sich auf dem Schulweg verspätet hatte ... während sie sich verschnaufte ...Im Frühling sang sie mit den Schülern �Winter, ade� und �Es tönen die Lieder�, und im Winter �O Tannenbaum�. Die Mutter war nämlich Deutschlehrerin in einer rumänische Schule.
   Dass Ingrid, Uwe und ihre Eltern gut Deutsch können, bemerkt der Beamte gleich. Die Aussiedler aus Rumänien können alle gut Deutsch, sagt er, die Polen und die Russen müssen sehr oft die Sprache erst lernen.� (S.13f)
Die Nachbarn
Im staatlichen Übergangswohnheim von F.. Dreizimmerwohnung für drei Familien. �Das Zimmer ist klein, aber es ist warm. In Rumänien mussten sie sich  im Winter auch in der Wohnung dick anziehen. ... Der Winter in Rumänien ist hart, und der Brennstoff ist knapp. Im Übergangswohnheim werden die Heizkörper heiß, wenn man die Heizung andreht.� (S.15) Streit zwischen den beiden anderen Familien. Die Mutter: �Mich interessiert der Streit der Nachbarinnen gar nicht, und euch interessiert er auch nicht. Da irrt sich die Mutter. Obwohl sie gesagt hat, man muss wissen, wie es den Mitmenschen geht, schließt sie die Zimmertür, wenn Ingrid und Uwe sie öffnen, um zu horchen. Vielleicht sind die Frau Klein und die Frau Prochazka gar keine Mitmenschen, sondern nur Nebenmenschen�S.16) Das Zusammenleben der Familien erfordert viel Rücksicht und dennoch gibt es Probleme. Ingrid benutzt z.B. das falsche Klopapier und wird von Frau Klein ausgeschimpft. Der Mutter gegenüber äußert sie sich so, als würde ihr das nichts ausmachen. �Es gibt jetzt zwei Wahrheiten: die von der Ingrid und die von der Frau Klein. Die Mutter glaubt Ingrid. Sie sagt aber der Frau Klein nicht, dass sie eine Lügnerin ist, denn der Frieden ist das wichtigste.� (S.18) Manchmal kommt es auch zu Missverständnissen und Streit zwischen den Eltern. Das ist neu und ängstigt die Kinder. �Es gibt viel Neues und Ungewohntes in Deutschland� (S.19)
Amtsdeutsch
Papiere ausfüllen. �Wenn die Eltern am Tisch über den Papieren sitzen, müssen Ingrid und Uwe auf den Betten spielen. Sie müssen still sein. Die Eltern brauchen Ruhe. Die Eltern brauchen zuviel Ruhe in letzter Zeit, finden Ingrid und Uwe.� (S.21)
Bei den Ämtern
Eröffnung eines Bankkontos (in Rumänien gab es das Gehalt in die Hand ausgezahlt). Warum hält die Straßenbahn, öffnet aber nicht die Türen? Auf dem Bahnhof. Keine Zeit zum Rolltreppen fahren! Der Fotoapparat mit den Sofortbildern macht� entsetzliche� Fotos: �Der Vater sieht aus wie ein Bankräuber auf einem Fahndungsfoto in der Zeitung.� (S.24) Trotzdem kommen sie in den Ausweis.
Im Amt für öffentliche Ordnung: �Die Beamtin ist sehr freundlich zu ihnen, obwohl sie von den Eltern nichts bekommen hat. In Rumänien ist es gut, wenn man den Beamten ausländische Zigaretten, Seife, Schokolade oder Geld gibt. Dann sind sie freundlicher, und alles geht in Ordnung.� (S.24f) Auch daran muss sich die Familie noch gewöhnen.
Der erste Schultag
Ingrid hat Angst, aber die Mutter beruhigt und begleitet sie in die Klasse 1A. Verlegen und froh ist Ingrid, als ein Mädchen ihr die Hand reicht und fragt, ob sie Freundinnen sein wollen. (Textstelle S.26f ab �Frau Müller ...� bis Kapitelende vorlesen)
Ingrid erinnert sich an Thea
Erinnerungen an die beste Freundin in Rumänien und daran, dass sie zum Abschied gesagt hat, nun müsse sie sich eine neue beste Freundin suchen und einfach weggelaufen ist. Die Mutter tröstet Ingrid und macht den Vorschlag, ihr einen Brief zu schreiben. �Es hat Thea leid getan, dass du wegfährst. ... Ingrid ist traurig. Die Mutter setzt sich neben sie. Sie sagt: Weißt du was? Wir schreiben jetzt einen Brief an die Thea. Du diktierst, und ich schreibe.� (S.28)
Uwe findet sich zurecht
Kapitel wird vorgelesen.
Ein Brief an den Lehrer
Als die Schüler einen Brief an den Turnlehrer schreiben, in dem sie sich beschweren, dass er immer zu spät kommt, erschrickt Uwe und zögert, ihn zu unterschreiben. Er macht eine für ihn völlig neue Erfahrung: Man darf in Deutschland einem Lehrer �einen solchen Brief� schreiben.  �Es passiert ja wirklich nichts.� Außer, dass der Lehrer mit den Kindern über die Situation spricht und ihnen den Grund seines Zuspätkommens erklärt.
Beim Spazierengehen
Auf dem Waldweg kommt ein großer Hund angelaufen und springt Ingrid an. Die Mutter, auch erschrocken, versucht sie zu beruhigen, in dem sie sagt, der Hund wollte doch nur mit ihr spielen.. Den Hundebesitzer bittet sie, den Hund anzuleinen, da erwidert er ihr: �Fällt mir gar nicht ein. Für ihre Göre kriegen Sie vom Staat Geld, ich aber muss für meinen Hund Steuern zahlen. Ich gehe mit ihm spazieren, wo ich will und wie ich will. Passen Sie auf ihre Göre auf.� (S.35f) Die Mutter ist entsetzt, findet aber nicht die richtigen Worte , �weil mir alle guten Gedanken erst hinterher kommen, wenn es zu spät ist.� (S.36)
�Der Hund war böse, sagt Ingrid.
Der Hund war nicht böse, der Hundebesitzer war böse, sagt die Mutter.� (S.36)
Zu Besuch bei Tante Krista und Onkel Heinrich
Tante K. und Onkel H. wohnen in einem schönen großen Haus ganz allein mit ihrer verwöhnten Katze Micky, die der ganze Stolz des Ehepaares ist. Um sie dreht sich die ganze Aufmerksamkeit und sie bekommt sogar Schinken zum Fressen. �Bei uns in Rumänien, sagt Ingrid, füttert man die Katzen nicht mit Schinken. Ja, mein Kind, sagt die Tante etwas verlegen, das ist ja bei uns auch nicht die Regel. Aber in Deutschland lebt man eben besser, und da leben auch die Katzen besser. Auf dem Heimweg sagt die Mutter: Micky wird noch an Herzverfettung draufgehen. Du hast etwas gegen Tiere, seit wir in Deutschland sind, sagt Uwe. Ich hab was gegen Menschen, die Katzen mit Schinken füttern, sagt die Mutter.
Bretter vom Sperrmüll
Mutter braucht ein Regal für ihre vielen Bücher. Onkel H. bietet Bretter und Werkzeug an, damit Vater ein Regal bauen kann, macht dann aber einen Rückzieher.
Er könnte die Bretter ja selber noch gebrauchen. Er schlägt vor, welche beim Sperrmüll zu holen. Widerstrebend machen sich die Eltern auf den Weg, als in der Nähe Sperrmüll ist. Die Situation ist ihnen sehr peinlich. Der Vater zimmert ein schönes Regal. �Das ist jetzt unsere Bibliothek, sagt Uwe.� Die Kinder sollen aber in der Schule nicht herumerzählen, dass die Eltern beim Sperrmüll waren. �Das braucht niemand zu wissen.� (S.40)
Wo warschtugeschtern?
Ingrid ist in logopädischer Behandlung, weil sie das S nicht richtig sprechen kann. Als sie die Zeichenlehrerin sagen hört �Wo warschtugeschtern?� freut sie sich und glaubt, �hier� gar kein S zu brauchen. Doch da irrt sie sich. Sie darf beim Klassenfest die Müllerstochter im Rumpelstilzchen nicht spielen, weil die Lehrerin der Meinung ist, sie müsse das S erst noch üben. Die Mutter findet das schade, sie ist der Ansicht, dass Ingrid die Müllerstochter wunderbar spiele. Und die Logopädin macht Mut: �Sie schafft es schon, sagt die Logopädin, erst müssen die Vorderzähne nachwachsen. Vielleicht sollte man der kleinen Aussprachestörung nicht soviel Beachtung schenken.� (S.42)
Im Religionsunterricht
Ingrid geht zunächst in den katholischen Religionsunterricht zu Herrn Günther, der jung und freundlich und sehr sympathisch ist. In der nächsten Religionsstunde geht sie aber zu Frau Hertel, weil sie evangelisch ist. �Am liebsten würde sie zu Frau Hertel und zu Herrn Günther in den Unterricht gehen, aber das ist leider nicht möglich. Das tut Ingrid leid.� (S.43)
Die Kisten sind angekommen
Nach langem Warten sind endlich die Kisten mit dem Hausrat angekommen! Auch Ingrids Schultasche war darin, ebenso ihre Puppen Teddys und Spielsachen. In der Schule kann sie an nichts anderes denken an diesem Tag. �Jetzt brauchte sie eine Freundin, der sie alles erzählen könnte. Aber Ingrid hat keine Freundin. Da sieht sie Herrn Günther ...(Text S.44 wird bis Kapitelende vorgelesen)�
Die beiden Kapitel Im Schulhof und Die Melonen und die Gurken können fast gleich gut lesen werden ebenfalls vorgelesen. (S.46ff)
Die beste Zahnpaste
Konfrontation mit der westlichen Werbung. (Text S.50f wird vorgelesen)
Ingrid ist traurig
Ingrid hat keine Freundin mehr, weil Anja nach München zieht. Außerdem hat ein Mädchen gesagt, Ingrids Schultasche sei hässlich. �Ingrid hat eine kleine, leichte Schultasche aus Rumänien. Die Schultasche ist rot und hellgrau. Igrid hat zwei schöne Abziehbilder draufgeklebt. Gefällt dir deine Schultasche? Fragt die Mutter. Ja, sagt Ingrid. Dann musst du dir gar nichts draus machen, wenn das Mädchen deine Schultasche hässlich findet, sagt die Mutter.� (S.52). ... �Am Abend im Bett sagt Ingrid: Ich kann nicht einschlafen. Was soll ich träumen? Die Mutter sagt: Träum von einem großen schönen Haus, in dem wir wohnen werden. Von vielen Nachbarskindern, mit denen du im Garten spielen kannst ... Schlaf gut, Ingrid. Schlaf gut, Mama, sagt Ingrid.� (S.53)
Ingrid hat die Frau Müller gern (Kapitel S.56 wird vorgelesen)
So gehen in den nächsten Kapiteln die Wochen und Monate dahin. Es wird Weihnachten , Herr Günther, der Religionslehrer, kommt unerwartet zu Besuch und bringt Ingrid Geschenke mit (S.57f). Der Frühling kommt und mit ihm neue Nachbarn, leider bleibt die Wohnung nicht ungeteilt (S.69ff). Post kommt aus Rumänien von den Großeltern, aber auch von den Ämtern. Das Warten auf den Briefträger gehört zum Leben im Übergangswohnheim dazu (S.79f). An viele Dinge gewöhnen sich Ingrid und Uwe und ihre Eltern, doch manches ist immer wieder noch sehr fremd.
Ingrid stellt Fragen (Kapitel S.82f wird vorgelesen
Uwes neue Wörter (Kapitel S.95f wird vorgelesen)
Die Neue (Kapitel S.111 wird vorgelesen)
Eine Geschichte mit gutem Ende (Kapitel S.115 wird vorgelesen)
 
 
 
 

3. Zusammenfassung
Eine Geschichte mit gutem Ende, d.h., vielmehr eine Geschichte mit einem offenen Ende und dem Wunsch, dass alles gut wird. Der Autorin ist es gelungen, Kinder und vor allem auch Erwachsene sensibel zu machen für die Sorgen und Nöte, Wünsche und Hoffnungen von Aussiedlerfamilien. Wie viele Aussiedlerfamilien tatsächlich so gute Voraussetzungen haben und inwieweit die beschriebene Familie exemplarisch für viele andere steht, mag dahingestellt sein. Jedenfalls wünscht man allen Kindern (und nicht nur denen, die mit ihren Eltern in ein fremdes Land ausreisen !), Eltern und LehrerInnen wie Ingrid und Uwe sie haben. Im Lauf der Geschichte bekommen wir einen Einblick in unterschiedlichste Lebenssituationen. Und immer haben die Eltern ein offenes Ohr für ihre Kinder, Verständnis für Sorgen, Ängste , Traurigkeit und Wünsche. Sie nehmen sich Zeit für ihre Kinder, stellen sich ihren Fragen und geben offene und ehrliche Antworten. Ihre Einstellung zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein, das sie auch ihren Kindern vermitteln wollen. Die Kinder können sich auf ihre Eltern und ihr Wort verlassen, auch wenn Versprechungen nicht sofort eingelöst werden können.
Auch im schulischen Bereich sind es fast ausschließlich positive Erfahrungen, die die Kinder machen. Ein großer Vorteil besteht natürlich darin, dass die Kinder gut deutsch sprechen.
Für den Einsatz im Unterricht bietet das Buch vielfältige Möglichkeiten. Unter vielen anderen Aspekten deshalb, weil die authentisch erzählte Geschichte einen Beitrag leistet zu einem besseren Verständnis der Menschen untereinander und füreinander.

4. Literatur
Karin Gündisch: Im Land der Schokolade und Bananen. Zwei Kinder kommen in ein 
                           fremdes Land. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1987.


Aussiedlerpädagogik im Tagebuch (aussiedeln, umsiedeln �., von A. Kaiser)


� Tagesrhythmus
� Wechsel Gesprächskreis differenzierte Arbeit
� Feste Rituale

� Elternkontakt � miteinander nicht gegeneinander
� Spielerisches Lernen von Sprachstrukturen und Lernen im Kontext
� Wiederholung von Sprachmustern im Spiel, bei den Büchern und im Lied
� Verschiedene Methoden kombiniert
� Anknüpfen an emotional besetzte Erfahrungen (Federn, Mäuse, �)
� Schaffung gemeinsamer positiver Erfahrungen
� Gemeinsame Erfahrungen schaffen
� Stabilisierung durch ein festes Kontingent an Büchern
� Paradoxes Sprechverbot
� Differenzierte Diagnose des Lernstandes jedes einzelnen Kindes
� Jedes Kind als Person annehmen

 

Geschichtsbuch für Aussiedlerkinder


Gruppenarbeit:
1. Male 2 Bilder zu deiner Biografie und erzähle etwas den anderen der Gruppe, erkläre diese Bilder der Gruppe!
2. Welche Effekte kann biografisches Lernen haben - an diesem Beispiel betrachtet?
3. Welche Funktion kann biografisches Lernen für Aussiedlerkinder haben?

Vorstellen der Ergebnisse der Gruppenarbeit
Vorstellen von Methoden der Geschichtsbucharbeit im interkulturellen Unterricht:
a) Wandzeitung
b) Fotobuch für die Klasse
c) Ich-Heft für jedes Kind
Plenum:
Welche Vorteile und Nachteile können die 3 methodischen Ansätze haben?